Chemnitz - Im Stadtrat sind beim Thema Schauspielhaus die Fetzen geflogen. Hintergrund: der Vorstoß der SPD, Sprechtheater und Oper unter einem Dach zu konzentrieren. Am Anfang der Woche hatte das Rathaus in Chemnitz dann die ursprünglich auf der Vorschlagsliste zur Verwendung der "Bundesmilliarde" eingeplanten 56 Millionen Euro fürs Schauspielhaus gestrichen, stattdessen war die marode Oper ganz nach vorn gerückt.
OB Sven Schulze (54, SPD) verteidigte den Kurswechsel: "Wir haben wahrgenommen, dass es angesichts der hohen Investitionssumme Vorbehalte gegen unseren Vorschlag zum Neubau im Spinnbau-Areal, zumindest aber den Wunsch nach Prüfung von Alternativen gibt."
Es müsse ehrlich geprüft werden, was technisch und finanziell überhaupt machbar ist.
Volkmar Zschocke (57, Grüne) warnte davor, Chemnitz am Ende faktisch das eigene Schauspielhaus zu nehmen. Susanne Schaper (48, Linke) wetterte gegen das öffentliche Vorpreschen der SPD und sieht eine "kulturelle Rolle rückwärts".
Auch beim BSW ist die Laune im Keller: Dort hält man am Neubau am Spinnbau fest: Eine laufende Debatte sei ohne saubere Verständigung einfach gekippt worden.
AfD verlangt Besucherzahlen, Auslastung und wirtschaftliche Kennzahlen
Von rechts kommt der nächste Angriff: Die AfD schießt nicht nur gegen die SPD-Idee, sondern auch gegen die Stadtverwaltung. Stadtrat Nico Köhler verlangt Besucherzahlen, Auslastung und wirtschaftliche Kennzahlen der Theater - und spricht von fehlender Transparenz.
Wer über Investitionen in möglicher dreistelliger Millionenhöhe rede, müsse endlich auch die Zahlen offen auf den Tisch legen. CDU-Fraktionschef Tino Fritzsche (64) zeigt sich diskussionsbereit. "Alles, was zur Innenstadtbelebung beiträgt, ist diskussionswürdig".
Das Rathaus habe das Thema Theaterquartier damit neu belebt.
Die SPD verkauft das neue Durcheinander prompt als Chance. Fraktionschefin Jacqueline Drechsler (49) spricht von einer neuen Diskussion. Die Oper werde gesichert, das Schauspiel "neu gedacht".