Chemnitz - Vom Winterdienst über marode Feuerwehrhäuser bis zu fehlenden Fahrradständern: Die Chemnitzer Stadträte wollen es ganz genau wissen. Seit Beginn der Wahlperiode im August 2024 gingen bis diese Woche insgesamt 622 Ratsanfragen im Rathaus ein. Doch wer bohrt eigentlich am hartnäckigsten nach?
An der Spitze steht Nico Köhler (49, AfD) mit 65 Anfragen, vor Joseph Israel (26, Grüne) mit 50. Israel zeigt sich überrascht: "Ich dachte, dass alle in einem ähnlichen Umfang Ratsanfragen stellen."
Köhler will sich trotzdem nicht als "aktivster Stadtrat" feiern lassen: "Das wollte ich mir jetzt nicht anmaßen. Man versucht, sein Amt auszufüllen und Sachen, die einem von der Bürgerschaft angetragen werden, zu hinterfragen."
Doch was ist eine Ratsanfrage überhaupt? Sie ist der direkte Draht eines Stadtrates ins Rathaus.
Wer wissen will, warum eine Straße nicht saniert wird, was ein Vorhaben kostet oder wann ein Problem gelöst werden soll, kann den OB und seine Ämter schriftlich oder in einer Stadtratssitzung fragen.
Grünen-Stadtrat Joseph Israel nutzt Anfragen für eigene Ideen
Mit der Antwortqualität ist AfD-Stadtrat Nico Köhler zunehmend unzufrieden: "Das hat sichtlich abgenommen." Als Beispiel nennt er die Winterdienstkosten 2025/26. Weil Zahlen fehlten, musste er zum vierten Quartal mehrfach nachfragen.
Grünen-Stadtrat Joseph Israel nutzt Anfragen vor allem, um für eigene Ideen zunächst "eine Faktengrundlage" zu bekommen.
Die Antworten fielen je nach Fachbereich unterschiedlich aus. "Im Großen und Ganzen bekommt aber die Infos, die man braucht."