Chemnitz - Frostige Aussichten für die Stadtkasse! Für den Winterdienst hat Chemnitz dieses Jahr 2,4 Millionen Euro eingeplant. Doch möglicherweise wird fast noch einmal so viel gebraucht. Gleichzeitig will das Rathaus die Streusalz-Regeln präzisieren. Denn wann die Chemnitzer damit gegen Glätte vorgehen dürfen, ist offenbar nicht klar genug.
Die teure Überraschung steckte bereits im Halbjahres-Finanzbericht der Stadt: Die eingeplanten Mittel würden "voraussichtlich nicht auskömmlich sein".
Jetzt erklärt das Rathaus auf Nachfrage: Die zusätzlichen gut zwei Millionen Euro seien eine vorsorgliche Schätzung anhand früherer Winter. Wie teuer Räumen und Streuen tatsächlich werden, hängt vom Wetter ab. Eine feste Rechnung gebe es noch nicht.
Für Stirnrunzeln sorgt eine weitere Aussage im Bericht: Der Winterdienst sei "auf das Nötigste reduziert" worden. Dabei hatte der Stadtrat im Oktober 2025 größere Einschnitte abgelehnt.
Auf die Frage nach tatsächlichen Kürzungen verweist die Stadt jetzt auf das Winterdienstkonzept von 2024.
Klarere Regeln für den Streusalz-Einsatz auf Gehwegen
Um zusätzliches Personal zu sparen, sieht das Papier mehrstündige nächtliche Bereitschaftspausen vor Samstagen, Sonn- und Feiertagen vor. Eine durchgehende Räumung ist dann nicht garantiert.
Zusätzlich benötigtes Geld soll aus dem Budget des Verkehrs- und Tiefbauamtes kommen. Warum der Finanzbericht dennoch von reduzierten Leistungen spricht, bleibt unklar.
Auch beim Streusalz will das Rathaus ab 2027 nachbessern. Nachfragen aus Bürgerschaft und Stadtrat hätten gezeigt, dass die bisherigen Regeln "nicht transparent bzw. eindeutig genug formuliert" waren, räumt Baubürgermeister Thomas Kütter (50, parteilos) in einer Vorlage für den nächsten Stadtrat ein.
Das grundsätzliche Salzverbot auf Gehwegen soll bleiben. Ausdrücklich erlaubt sein soll Streusalz bei Reifglätte, überfrierender Nässe oder Eisregen, wenn Sand oder Splitt nicht ausreichend helfen.
Streusalz-Lager wieder gefüllt
Der Winter kann kommen: Rund 6500 Tonnen Streusalz lagern seit September im Salzlager an der Blankenburgstraße 62 des Abfallentsorgungs- und Stadtreinigungsbetriebs Chemnitz (ASR).
Mit 14 Groß-Lkws, neun Klein-Lkws und weiteren kleineren Fahrzeugen ist der städtische Winterdienst für die kommende Wintersaison gerüstet, um Fahrbahnen und Gehwege von Eis und Schnee zu befreien.
Das Taumittel soll allerdings sparsam zum Einsatz kommen: "Das Streusalz wird natürlich nur eingesetzt, wenn es die Witterung verlangt", sagt Jenny Zichner (56) vom ASR. Erfahrungsgemäß komme man mit den Vorräten ausreichend durch den Winter.
Dass das Salz trotzdem knapp werden könnte, hält Zichner für unwahrscheinlich: "Strenge Winterzeiten gab es immer wieder, aber die Salzvorräte wurden nie knapp." Sollte es jedoch über Monate hinweg eisig bleiben, bestehe die Möglichkeit, den Rohstoff nachzuliefern.