Ungleiche Verteilung von Geflüchteten im Stadtgebiet, Bezahlkarte sorgt weiter für Ärger
Chemnitz - Die Flüchtlingszahlen in Chemnitz sinken leicht, doch politisch bleibt das Thema Migration brisant. Das Rathaus hat neue Zahlen vorgelegt: Zum 31. März 2026 lebten etwa 8500 Menschen mit Asyl-Hintergrund in Chemnitz. Ein Jahr zuvor waren es noch rund 8600 – ein Minus von einem Prozent.
Dazu kommen laut Sozialbürgermeisterin Dagmar Ruscheinsky (67, parteilos) gut 8000 Menschen aus der Ukraine, die wegen des Krieges Schutz in Chemnitz gefunden haben.
Auch bei den Neuzuweisungen sieht die Bürgermeisterin keinen neuen Ansturm. 2025 kamen rund 300 Menschen neu nach Chemnitz, im ersten Quartal 2026 waren es 77. Für das Gesamtjahr rechnet Ruscheinsky "mit ähnlichen bis niedrigeren Zuweisungszahlen".
Die Verteilung in der Stadt ist allerdings ungleich. Auf dem Sonnenberg weist die Statistik rund 1200 Personen aus. Am Stadtrand sind es deutlich weniger: In Adelsberg stehen 9 Personen in der Liste, in Glösa-Draisdorf 7.
Die Belastung ballt sich dort, wo Mietwohnungen und soziale Infrastruktur ohnehin stärker beansprucht sind.
Die AfD kritisiert, dass reine Gesamtzahlen nicht reichen. Für Fraktions-Chef Nico Köhler (49) bleibt zu wenig sichtbar, wie sich Migration konkret auf Stadtteile, Schulen und Verwaltung auswirkt: "Es ist nicht akzeptabel, dass Behörden die offensichtlichen Probleme nicht wahrnehmen und keine statistischen Grundlagen schaffen wollen, aus denen sich Lösungen ergäben."
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Bezahlkarte noch nicht bei allen Asylbewerbern angekommen
Parallel sorgt die Bezahlkarte für Asylbewerber weiter für Ärger. "Alle neu zugewiesenen Flüchtlinge sind damit ausgestattet", erklärt Ruscheinsky.
Wer vorher Geld aufs Girokonto bekam, werde in Chemnitz aber nicht automatisch umgestellt. Begründung: Jeder Einzelfall müsse geprüft werden, zudem verursache die Karte zusätzlichen Verwaltungsaufwand.
Für CDU/FDP-Fraktions-Chef Tino Fritzsche (65) ist das zu wenig. "Das Thema muss endlich geklärt werden", sagt er. "Dieses verwaltungstechnische Hinhalten ist für uns als Fraktion eine Zumutung."
Pikant: Eine Bedarfsgemeinschaft bekommt weiter Geld per Kassenkarte bar ausgezahlt, weil nötige Dokumente für eine Bezahlkarte fehlen. Sanktionen sieht die Stadt dafür nicht vor.
Titelfoto: Bildmontage: Sven Gleisberg, IMAGO/Bihlmayerfotografie

