Prozess um Dresdner Juwelenraub: Forensik-Chef berichtet Erstaunliches über DNA-Spuren

Dresden - Fortsetzung im Prozess um die geklauten Diamanten aus dem Historischen Grünen Gewölbe: Die Kammer hatte für den heutigen Dienstag einen der wichtigsten Zeugen ins Hochsicherheitsgericht am Hammerweg geladen: Den Chef der Forensik beim LKA, Dr. Ralf Nixdorf (52).

Dr. Ralf Nixdorf (52), Chef der Forensik beim LKA, sprach am Dienstag als Zeuge vor dem Dresdner Gericht.
Dr. Ralf Nixdorf (52), Chef der Forensik beim LKA, sprach am Dienstag als Zeuge vor dem Dresdner Gericht.  © Peter Schulze

Der 52-Jährige ist der Herr der DNA-Spuren. Und der Wissenschaftler hatte Erstaunliches zu berichten.

Nixdorf und sein Team werteten über 1000 Spuren aus. Alle wurden kurz nach dem Bruch im November 2019 am Schloss, am Einstiegsfenster, an der Außenmauer, im Juwelensaal und an der Vitrine genommen. Jede einzelne wurde auf eine DNA-Verwertbarkeit geprüft. Waren die Spuren (Merkmale) ausreichend, wurden sie in ein bundesweites System eingespielt, in der gut eine Million Spuren liegen.

Eine mühsame Arbeit, die nicht immer von Erfolg gekrönt ist. So blieben von 650 genommenen Spuren im Innenraum nur 20 verwertbare übrig. Zwei DNA-Spuren konnten zugeordnet werden. Sie gehörten Bediensteten des Museums…

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Grund für die geringe Erfolgsquote: Die Einbrecher, welche Diamanten und Juwelen im Wert von 113 Millionen Euro klauten, hatten kurz vor ihrer Flucht den Inhalt eines Feuerlöschers im Schloss versprüht. "So was mögen wir gar nicht", so Nixdorf. "Das ist für DNA-Spuren ganz schlecht."

DNA-Spuren-Erfolg im Außenbereich

Im November wurden aus dem Historischen Grünen Gewölbe in Dresden Juwelen im Wert von 113 Millionen Euro geraubt.
Im November wurden aus dem Historischen Grünen Gewölbe in Dresden Juwelen im Wert von 113 Millionen Euro geraubt.  © Oliver Killig/dpa-Zentralbild/dpa

Besser war die Spurenlage im Außenbereich. Nacheinander zählte Nixdorf die Angeklagten Remmos auf, deren DNA an der Mauer nachgewiesen werden konnte: Rabih, Bashir, Mohamed und Wissam. Für die beiden letzteren erklärte der Experte: "Die Wahrscheinlichkeit liegt bei einer Trilliarde zu eins…"

Eine weitere Spur gehört mit hoher Wahrscheinlichkeit Abdul Majed. "Zumindest ist es nicht auszuschließen", so Nixdorf, der auch berichtete, dass seine Mitarbeiter sogar mit kontaminiertem Material zu kämpfen hatten.

Denn auch die Bruchstücke der demolierten Vitrine wurden untersucht. Allerdings anfangs in einem Labor, das nicht "zum Hochsicherheitsbereich" der DNA-Analytiker zählt. Dort war zuvor die blutgetränkte Kleidung von einem gänzlich anderen Schwerverbrecher untersucht worden. Prompt gelangten winzige Blutspuren an die Vitrinenbruchstücke.

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"Die Kontamination konnte aufgeklärt werden", so Nixdorf. "So was passiert uns sehr selten. In den letzten fünf Jahren war das dreimal."

Der Prozess wird fortgesetzt.

Titelfoto: Bildmontage: Peter Schulze, Oliver Killig/dpa-Zentralbild/dpa

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