Soko-Chefin kämpft gegen zunehmende Gewalt: Die Akte Jugendkriminalität

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Dresden - Über diesen Trend freut sich niemand: Sachsenweit war mit 24 Prozent fast jeder vierte Tatverdächtige bei Gewaltdelikten Kind oder Jugendlicher, 2016 waren es noch 13 Prozent. In Dresden versucht die Polizei mit der Soko Iuventus dem Phänomen Herr zu werden. Nicht ganz ohne Erfolg.

Seit rund einem Jahr leitet Jenny Ryschawy (42) die Soko Iuventus.
Seit rund einem Jahr leitet Jenny Ryschawy (42) die Soko Iuventus.  © Holm Helis

Seit April 2025 leitet Jenny Ryschawy (42) die Soko - elf Ermittler, die sich mit Kriminalität von Jugendlichen gegen Jugendliche befassen. "Wir haben immer noch Gewalt Jugendlicher an Jugendlichen", sagt sie TAG24. "Aber es ist nicht mehr vergleichbar mit 2022 und 2023."

Aktuell liegen 17 offene Verfahren bei der Soko, gegen 13 Jugendliche gab es Haftbefehle. Seit Gründung der Soko hatte sie 704 Verfahren auf dem Tisch, insgesamt 342 Tatverdächtige ermittelt. Die Statistik spricht zum Teil für die Soko: In Dresden registrierten die Ermittler 2025 insgesamt 4407 Straftaten Minderjähriger, im Vorjahr waren es 4886 und 2023 sogar 5162.

Allerdings erreichten die einfachen Körperverletzungen mit 470 Fällen und die gefährlichen Körperverletzungen 300 Fällen insgesamt einen traurigen Rekordwert in den letzten zehn Jahren.

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"Schwerpunkte sind immer noch Wiener Platz, Prager Straße oder der Albertplatz", sagt die Erste Kriminalhauptkommissarin. "Mit der Zerschlagung der '212' konnten wir die Kriminalität rund um den Kaufpark Nickern zurückdrängen." Tatsächlich konnte hier wohl die Bildung einer festen Gang im letzten Augenblick gestoppt werden.

Mit Komplexkontrollen versucht die Polizei Schwerpunkte der Jugendkriminalität zu entschärfen.
Mit Komplexkontrollen versucht die Polizei Schwerpunkte der Jugendkriminalität zu entschärfen.  © Holm Helis
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Die Gewalttaten jugendlicher Täter erreichten 2025 einen Rekordwert.
Die Gewalttaten jugendlicher Täter erreichten 2025 einen Rekordwert.  © Finn Becker/xcitePress
Am 7. April kam es rund um einen Gorbitzer Jugendclub zu Schlägereien unter Jugendlichen.
Am 7. April kam es rund um einen Gorbitzer Jugendclub zu Schlägereien unter Jugendlichen.  © Roland Halkasch

Justizministerin Constanze Geiert: "Ich nehme eine zunehmende Verrohung wahr"

Im Presseclub sprach Justizministerin Constanze Geiert (49, CDU) unter anderem über Jugendkriminalität.
Im Presseclub sprach Justizministerin Constanze Geiert (49, CDU) unter anderem über Jugendkriminalität.  © Norbert Neumann

Mit Präsenzkontrollen und der Zusammenarbeit mit Schulen und Jugendabenden wollen die Ermittler verhindern, dass sich solche Gruppen überhaupt bilden. Die Hände sind jedoch bei unter 14-jährigen Kindern weitgehend gebunden. "Selbst mit Beschluss eines Familiengerichts konnten wir einen 13-Jährigen nicht in Gewahrsam nehmen", so die Soko-Chefin. "Dabei ist es wichtig, solche Kinder aus diesem Milieu zu lösen."

Sollte deshalb die Strafmündigkeit herabgesetzt werden? "Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir das nicht für die Lösung halten", meinte dazu Justizministerin Constanze Geiert (49, CDU) im "Presseclub Dresden".

"Das darf aber nicht heißen, dass man unter 14 Jahren vogelfrei ist und nichts passiert. Wir brauchen im Vorfeld ein Verfahren, dass im Bereich Erziehung ansetzt. Im Dreiklang mit diesen Tätern arbeiten Staatsanwaltschaft, Jugendhilfe und Polizei." Allerdings plädiert die Ministerin dafür, dass ab 18 Jahren das Jugendstrafrecht nur noch in Ausnahmefällen zur Anwendung kommt.

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Im Gegensatz zur Soko hat Geiert jedoch die Jugendkriminalität insgesamt im Blick, nicht nur die, wo auch Jugendliche Opfer werden. "Ich nehme eine zunehmende Verrohung wahr. Bei einigen wird die Zündschnur immer kürzer." Bei der Gewaltkriminalität fallen ihr besonders die extremistischen Gruppen und Jugendliche mit Migrationshintergrund auf.

Wie auch die Soko-Chefin setzt sie sich für die Schaffung einer gesicherten Unterkunft für unter 14-jährige Intensivstraftäter ein: "Wichtig ist, dass man sie aus ihrem Umfeld nimmt", sagt Geiert. "Es handelt sich aber hier nur um einen einstelligen Bereich."

Titelfoto: Montage: Holm Helis (2)

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