Das Geheimnis des Dresdner Eiswurms - so kam der "Felsenkeller-Drache" aufs Bier

Dresden - Der Mann ist viel rumgekommen: Studium in Greifswald, Leipzig, Breslau und Warschau. Lehrtätigkeiten in Leipzig, Dresden, Bonn, London und New York. Und doch sind es sächsische Sagen, die Hans-Christian Trepte (Jahrgang 1950) am meisten begeistern.

Sagenforscher Hans-Christian Trepte.
Sagenforscher Hans-Christian Trepte.  © Ralf Seegers

Der Wissenschaftler hat sie erforscht und einige von ihnen selbst aufgeschrieben ("Zwischen Arkona und dem Lausitzer Bergland. Westslawische Mythologie").

"Viele Sagen gehen zurück bis in die germanische und später slawische Siedlungszeit", sagt er. "In Sachsen gibt es eine besonders große Sagenvielfalt, weil es schon immer ein Transitland war. Und weil Sachsen so uneinheitlich ist, also so viele verschiedene Regionen aufweist."

Ein gutes Beispiel für eine alte Überlieferung, die bis in die Neuzeit für Aufsehen sorgte, sei die "Sage vom Dresdner Lindwurm".

In diesem Büchlein aus der Feder von Trepte sind wichtige Sagen zusammengefasst.
In diesem Büchlein aus der Feder von Trepte sind wichtige Sagen zusammengefasst.  © Repro: Ralf Seegers
Sagenhaftes Gebiet: der Plauensche Grund zwischen Dresden und Freital.
Sagenhaftes Gebiet: der Plauensche Grund zwischen Dresden und Freital.  © wikipedia

Der Dresdner Lindwurm ziert bis heute Bier von Felsenkeller in Dresden

Dieser freundliche Drache bildete über Jahrzehnte das Signet der Brauerei.
Dieser freundliche Drache bildete über Jahrzehnte das Signet der Brauerei.  © Holm Helis

Kenner ahnen: Es geht um Bier! Der Dresdner Lindwurm ist bis heute als "Felsenkeller-Drache" Signet der gleichnamigen Biermarke im Dresdner Feldschlößchen. Dazu gekommen sind die Brauer aber eher durch ein Missverständnis.

"Das trug sich im Jahr 1862 zu", erzählt Trepte. "Damals saßen einige Herren in Dresden beim Stammtisch beisammen. Einer von ihnen, ein stadtbekannter Banker, warnte zum Scherz, dass der berüchtigte Eiswurm aus dem Plauenschen Grund bald das Eis wegschlecken könnte, das dort zur Kühlung der Biervorräte in Felsenstollen lagerte. Ein anderer Stammtischkunde schlichterer Natur nahm das für bare Münze, rannte zum Bierlager auf dem Brauereigelände und forderte lautstark die Rücknahme seiner Aktien."

Tags darauf sei der naive Mann Stadtgespräch gewesen. Bänkelsänger hätten Balladen auf ihn gedichtet, in den Schaubuden des Jahrmarktes wurden Spottverse aufgeführt.

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Die Brauherren aber sahen das Potenzial der Drachengestalt und ließen den sagenumwobenen Lindwurm 1898 als Maskottchen eintragen.

Hier geht es tief in den kühlen Berg: Der Zugang zu einem der ehemaligen Felsenkeller.
Hier geht es tief in den kühlen Berg: Der Zugang zu einem der ehemaligen Felsenkeller.  © Holm Helis
Die ehemalige Felsenkeller-Brauerei. Geblieben ist das Bier: Es wird heute von "Feldschlößchen" in Dresden-Coschütz gebraut.
Die ehemalige Felsenkeller-Brauerei. Geblieben ist das Bier: Es wird heute von "Feldschlößchen" in Dresden-Coschütz gebraut.  © Holm Helis

Die Brauerei machte zwar 1991 dicht, die Bierproduktion wird seither am Hauptsitz in Dresden-Coschütz fortgeführt.

Doch noch heute hat das Areal im Plauenschen Grund die Postadresse "Am Eiswurmlager". Es ist inzwischen ein gefragtes gemischtes Gewerbegebiet zwischen Dresden und Freital.

Auch die ehemaligen Eiskeller im Fels werden noch genutzt - inzwischen von Wissenschaftler der TU Dresden und eines Helmholtzinstituts.

Sie arbeiten an einem Teilchenbeschleuniger, mit dem sie nichts weniger als die Entstehung des Universums verstehen wollen!

Titelfoto: Montage: Ralf Seegers , Holm Helis

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