Ist bald ein Stück Geschichte weg? Kästner-Museum hat Angst vorm "leisen Sterben"
Dresden - Dresdens Finanznot und Kürzungsmisere macht auch vor Traditionshäusern nicht Halt. So ist nun auch das Erich Kästner Haus in der Neustadt von den gravierenden Kulturstreichungen betroffen.
Erich Kästner hat den Großteil seiner Kindheit in Dresden verbracht. Seit 2000 erinnert das Museum auf der Antonstraße an Leben und Werk des Autors, jährlich kommen Dresdner und Touristen gleichermaßen vorbei.
2024 besuchten noch 14.369 Menschen das Haus, 2025 sank die Zahl auf 9316: "Hier sieht man, was passiert, wenn eine Mitarbeiterin wegbricht", erklärt Museumsleiterin Andrea O’Brien (62). Für sie ist die Entwicklung tragisch, aber nicht überraschend: "Die freie Kulturszene hat eigentlich schon immer unter prekären Situationen gearbeitet."
Für den Betrieb wären rund 300 Wochenstunden Personal nötig, angestellt sind jedoch nur 100. Hunderte Überstunden stemmen die wenigen Angestellten: "Ohne unsere insgesamt zehn Ehrenamtlichen wäre der Betrieb sowieso schon nicht mehr möglich."
Besonders kritisch: Drittmittel für neue Projekte können nicht beantragt werden, weil das Haus damit die Fixkosten nicht decken dürfte – und gleichzeitig fehlt das Personal, um solche Projekte überhaupt zu realisieren: "Es ist ein Teufelskreis."
Finanziell spitzt sich die Lage im Kästner-Museum zu: "Alle Kosten steigen"
Auch finanziell spitzt sich die Lage zu: "Das Defizit gegenüber 2024 beträgt insgesamt 25.000 Euro", erklärt die Leiterin.
Fixkosten sind um 12.000 Euro gestiegen, während die städtische Förderung um fast 10.000 Euro gekürzt wurde: "Alle Kosten steigen. Die Energiekosten, die Miete. Lange können wir so nicht weitermachen."
Somit steht die Existenz des Hauses nun in diesem Jahr auf der Kippe: "Es wird ein leises Sterben sein", so die Museumsleiterin.
Grundsätzlich kritisiert sie: "Leider wird Kultur als freiwillige Aufgabe und nicht als Pflichtaufgabe der Kommunen angesehen, doch der Mensch braucht sie. Es prägt seinen Wertekompass."
Titelfoto: Fotomontage/Norbert Neumann

