Weshalb Odysseus überhaupt in See stach: Peter Försters Sommertheater feiert am Sonntag Premiere

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Dresden - An Odysseus kommt man dieser Tage nicht vorbei: Vergangene Woche startete der Monumentalfilm "Die Odyssee" in den Kinos, am Sonntag hat das neue Stück des Dresdner Sommertheaters Premiere - mit dem Titel "Die Sirenen des Odysseus - Ein Shakespeare auf hoher See". Dieses Zusammentreffen sei purer Zufall, versichert Autor und Regisseur Peter Förster (60). Und er verrät, was sein Stück anders macht als der Film.

Proben für das Sommertheater-Stück "Die Sirenen des Odysseus" (v.l.): Lena Kuck, Jacky Ballon, Hannah Röth, Emilio Stadör und Oliver Walter.
Proben für das Sommertheater-Stück "Die Sirenen des Odysseus" (v.l.): Lena Kuck, Jacky Ballon, Hannah Röth, Emilio Stadör und Oliver Walter.  © Steffen Füssel

Die antiken Epen von Homer, die "Odyssee" und die "Ilias", gelten bis heute als Grundgerüst der traditionellen Abenteuererzählung. Diesen Urtyp der Heldenreise behandelt der Kino-Blockbuster "Die Odyssee" von Christopher Nolan mit den Irrfahrten des Odysseus nach dem Trojanischen Krieg, der Reise zurück nach Hause, Ithaka.

Peter Förster geht den Stoff gegenteilig an: "Anders als der Film erzählen wir nicht die Heimreise, sondern den Start." Es gehe darum, warum Odysseus überhaupt in See stach.

Im Wesentlichen dreht sich die Handlung also um die Vorgeschichte des Trojanischen Kriegs mit seinen mythischen Episoden: den Streit um den Apfel, das Urteil des Paris, den Zorn des Zeus. "Die Herausforderung war, die Überlieferung Homers anders zu erzählen", sagt Förster.

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Hauptkonflikt ist Odysseus' Versprechen an Menelaos, die Entführung Helenas zu sühnen. Wie kam es zu diesem Blutschwur, für den Odysseus in den Krieg zog? Diesen Anfang erzählt Förster in seinem Stück und lässt es vor den Mauern Trojas enden.

Götter im Stück brutal und dumm

Autor und Regisseur Peter Förster (60).
Autor und Regisseur Peter Förster (60).  © Steffen Füssel

Als Peter Förster im Frühjahr sein Odysseus-Stück plante, wusste er gar nicht, dass gleichzeitig der "Odyssee"-Film starten würde. Angesehen hat er ihn sich indes sofort. "Den Meeresstrudel zeigen wir nicht", feixt er über manche Special-Effects. "Aber wir haben den Zyklopen mit drin, nur nicht so gruselig wie im Film." Dafür aber die "schöne Liebesgeschichte" von Helena und Paris.

Bei Förster erweise sich Odysseus nicht als strahlender Held: "Bei uns ist er ein bissel doof", sagt der Autor. Er übernehme zwar das Kommando, gebe aber idiotische Anweisungen. Die, so sagt Förster, könnten an planwirtschaftliche Absurditäten der DDR-Arbeitswelt erinnern: "Wenn sich an einem Tag nur die Ruderer links in die Riemen legen sollen, am anderen Tag nur die rechts, dann ist es kein Wunder, wenn man nicht vorankommt, sondern sich nur im Kreis dreht."

Könige und Götter seien im Stück brutal und dumm. Förster: "Wir zeigen sie als Drecksäcke, aber mit den Mitteln der Komödie." Er zielt auf Populisten, die mit den gegenwärtigen Ängsten der Menschen vor Pandemien, Kriegen oder Jobverlust spielen: "Über die vermeintlich Mächtigen muss man lachen können."

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Die Premiere von "Die Sirenen des Odysseus" ist am Sonntag im Bärenzwinger. Diesem fürs Sommertheater etablierten Spielort bleibt Förster treu, auch wenn er seit 2024 das Theater am Wettiner Platz betreibt.

Weitere feste Konstante ist der Wandel: Stets frischt der Impressario sein Ensemble mit neuen Schauspielern mal mehr, mal weniger häufig auf - in diesem Jahr ist allein Lena Kuck aus der Vorjahres-Inszenierung "Die Reise zum Mittelpunkt der Zukunft" wieder mit dabei, neben ihr vier weitere Jung-Profis. Bis 13. September sind 42 Aufführungen geplant.

Titelfoto: Bildmontage: Steffen Füssel (2)

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