Dresdner Abgeordnete: "Es macht mich wütend, die Zerstörung meiner Heimat zu sehen"

Dresden - Die Wälder brennen - und das direkt vor unserer Haustür! Zeit, endlich aufzuwachen, findet die Dresdner Bundestagsabgeordnete Rasha Nasr (30, SPD). Nach ihrem grünen Kollegen Kassem Taher Saleh (29, Grüne) kommentiert auch sie für TAG24 die aktuelle Situation in der Böhmischen und Sächsischen Schweiz.

Die Dresdnerin Rasha Nasr (30) sitzt für die SPD im Deutschen Bundestag.
Die Dresdnerin Rasha Nasr (30) sitzt für die SPD im Deutschen Bundestag.  © Büro Nasr

"Spätestens jetzt müssen wir doch endlich verstehen, wie ernst die Lage ist. Jetzt, da die Klimakrise buchstäblich vor unserer Tür angekommen ist und wir alle davon betroffen sind. Jetzt, da wir morgens das Fenster öffnen und Brandgeruch in unsere Wohnungen dringt. Jetzt, da wir unsere Wälder nicht mehr betreten oder uns dort erholen dürfen.

Es macht mich wütend, die Zerstörung unzähliger Hektar in meiner Heimat und die erschöpften Einsatzkräfte am Rande der Verzweiflung zu sehen. Es macht mich wütend, ausgebrannte Häuser in Tschechien zu sehen und mir vorzustellen, wie hilflos sich diese Familien gerade fühlen müssen.

Doch Wut bringt nur etwas, wenn wir sie als Antrieb nutzen, es besser zu machen. Was mir neben alledem Hoffnung gibt, ist die grenzenlose Solidarität zurzeit. Buchstäblich grenzenlos, wenn Hilfe aus ganz Europa eintrifft, um die Brände auf beiden Seiten der Grenze zu löschen. Ein vereintes Europa ist gerade in Krisenzeiten wichtiger denn je.

Besonders das Ehrenamt zeigt gerade wieder, wie essenziell es für unsere Gesellschaft ist. Von den Freiwilligen Feuerwehren und Rettungsdiensten bis hin zur nachbarschaftlichen Nothilfe sei es in all seinen Facetten derzeit eine Stütze in schwierigen Zeiten.

Nasr: "Einfach die Augen zu schließen und aufs Beste zu hoffen reicht nicht"

Die Aufnahme aus dem Nationalpark Böhmische Schweiz ist eine des Schreckens.
Die Aufnahme aus dem Nationalpark Böhmische Schweiz ist eine des Schreckens.  © Robert Michael/dpa

Bei aller Freude über diese Solidarität im In- und Ausland muss aber klar sein: Wir müssen die Klimakrise stärker in den Blick nehmen und unseren politischen Fokus darauf lenken, Lösungen zu finden.

Einfach die Augen zu schließen und aufs Beste zu hoffen reicht nicht. Wir müssen die Ärmel hoch- und unsere Lebensweise umkrempeln. Es braucht eine sozial-ökologische Marktwirtschaft, die die Ziele von Paris einhält. Es braucht Investitionen in Zug und Bahn und klimafreundliches Bauen.

Es braucht einen schnelleren Ausbau der Erneuerbaren Energien statt Scheindebatten über AKWs. Es brennt. Nicht nur sprichwörtlich."

Anmerkung der Redaktion

Im Falle des ursprünglich in der Böhmischen Schweiz ausgebrochenen Brandes gehen die zuständigen Behörden mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem menschlichen Auslöser aus. "Wir sind uns zu 99 Prozent sicher, dass es sich um einen menschlichen Eingriff handelt, leider", so ein Sprecher vor einigen Tagen laut MDR.

Bedingt durch die anhaltende Trockenheit findet das Feuer dann aber natürlich den perfekten Nährboden vor.

Titelfoto: Büro Nasr & Robert Michael/dpa (Fotomontage)

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