Dresden - Ausnahmezustand bei der Dresdner Schwebebahn. Bei der diesjährigen Frühjahrsrevision am weltweiten Unikat (250.000 Fahrgäste pro Jahr) hantieren die Fachkräfte der DVB mit Originalteilen, die schon seit der Eröffnung 1901 ihren Dienst verrichten. Neben Arbeiten für den alljährlichen TÜV wird auch ein Teil des Stahlseils erneuert.
Auf der Bergstation sind vier große originale Leiträder (wiegen je circa zwei Tonnen), die sich schon seit der ersten Fahrt vor 125 Jahren drehen. Deren Lager müssen auf Verschleiß und Restlaufzeit geprüft werden - eine Kontrolle, die nur alle paar Jahrzehnte fällig wird.
Auch Betriebsleiter Carsten Lauterbach (61), der seit 1990 bei den Bergbahnen arbeitet, hat sie noch nicht wechseln müssen.
Über die Leiträder verläuft das fast vier Zentimeter dicke Zugseil (rund 400 Meter lang). Das bewegt die beiden Wagen (Leergewicht je 14 Tonnen mit Halterung) im Pendelbetrieb: Wenn ein Wagen nach oben gezogen wird, fährt der andere gleichzeitig nach unten.
Die Wagen rollen dabei auf einer Schiene, die wiederum auf einem Traggerüst montiert ist, das vom Berg bis ins Tal reicht.
Schwebebahn bis 13. März außer Betrieb
Das Zugseil besteht aus 216 Einzeldrähten. Damit die nicht brechen, wird das ganze Seil magnetinduktiv geprüft. "Damit nicht so ein Unglück geschieht wie mit der Carolabrücke", erklärt Lauterbach.
Da man jedoch nicht in die beiden Endstücke des Seils hineinschauen kann, werden sie jeweils 30 Zentimeter gekürzt und vor Ort neu mit Weißmetall vergossen.
Nur alle vier Jahre muss das gemacht werden - darauf konzentrieren sich die dreiwöchigen Arbeiten. Außerdem werden die 33 Stahlstützen, Fahrschienenträger, Elektrik und Fahrwerk geprüft. Am Ende rückt noch ein Spezial-TÜV aus Thüringen an.
Bis 13. März ist die Schwebebahn noch außer Betrieb. Anschließend wechseln die Techniker zur benachbarten Standseilbahn. Diese fährt ab wieder ab 28. März. Im Mai soll es eine Jubiläumsfeier geben.
Lange Geschichte der beiden Bahnen
Die Schwebebahn eröffnete am 6. Mai 1901, beförderte Fahrgäste vom Körnerplatz nach Oberloschwitz (274 Meter).
Schon sechs Jahre zuvor fuhr 1895 die benachbarte Standseilbahn vom Körnerplatz hoch zum Weißen Hirsch (547 Meter). Beide sind ganzjährig im Einsatz und gelten als äußerst sicher.
Für Aufsehen sorgte ein Unfall im Jahr 2014. Ein Möbelwagen hatte am Veilchenweg die Höhenbeschränkung von 2,60 Meter missachtet und den talwärts fahrenden Wagen gerammt. Die Feuerwehr musste 19 Fahrgäste per Leiter befreien, verletzt wurde niemand.
Kurios: Das war bereits 1932 so passiert - ebenfalls mit einem Möbelwagen.