Polit-Streit nach unerwartet gutem Betriebsergebnis: Wie nötig sind die DVB-Sparmaßnahmen?

Dresden - Mit der Warnung vor einer drohenden DVB-Pleite hatte OB Dirk Hilbert (54, FDP) Anfang 2025 drastische Sparmaßnahmen gefordert. Der Stadtrat folgte ihm, linderte den Kahlschlag aber deutlich. Wie der Jahresabschluss nun zeigt, fuhren die DVB ein viel besseres Ergebnis ein als erwartet. Dennoch soll weiter gekürzt werden.

OB Dirk Hilbert (54, FDP) kündigt weitere Sparmaßnahmen an.  © Ove Landgraf

2025 nahmen die DVB 9,3 Millionen Euro mehr als geplant ein. Neben städtischen Hilfen in Höhe von knapp 28 Millionen musste der kommunale Mutterkonzern TWD darum anstatt geplanter 55 Millionen "nur" 45,7 Millionen Euro zuschießen, um die DVB-Verluste auszugleichen.

Das lag laut Rathaus vor allem an Einmaleffekten unter anderem aus dem Verkauf nicht betriebsnotwendiger Grundstücke und dem Anteilsverkauf der Verkehrsgesellschaft Meißen.

DVB-Sparmaßnahmen wie die seltenere Reinigung der Flotte brachten rund 11,7 Millionen Euro ein. Die Kürzungen im Liniennetz (Taktreduktion Linie 7, Ausweitung Ferienfahrplan, Einstellung Buslinie 76) hingegen nicht mal eine Million Euro.

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"Die vorgenommenen Einschnitte zulasten der Bürgerinnen und Bürger waren wirtschaftlich nicht erforderlich", kritisiert Linke-Fraktions-Chef André Schollbach (47).

Hätten die DVB den vollen TWD-Zuschuss erhalten, wären nur Einsparungen in Höhe von gut drei Millionen Euro nötig gewesen. Der OB habe aber immer eine Finanzierungslücke in Höhe von rund 18 Millionen Euro behauptet, so Schollbach.

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Auf die DVB-Flotte kommen weitere Kürzungen zu.  © Holm Helis

Dirk Hilbert will "sehr guten öffentlichen Nahverkehr für Dresden"

Trotz guter Zahlen ziehen für die DVB schon wieder dunkle Wolken auf.  © imago/Sven Ellger

Das Rathaus widerspricht. Die Angebotsreduzierungen und der Verzicht auf Ausbaumaßnahmen seien ebenso notwendig wie die umfangreichen betriebsinternen Einsparungen der DVB gewesen, um die Planvorgaben einschließlich der (einmaligen) Restrukturierungsmaßnahmen erreichen zu können, so ein Sprecher.

Hilbert betont, "einen sehr guten öffentlichen Nahverkehr für Dresden" zu wollen. Auch mit Bezug auf das weiterhin vom Freistaat nicht ausfinanzierte Bildungsticket werde man aber "weiter optimieren" müssen, so Hilbert. "Dabei soll es so wenig Beschränkungen für die Fahrgäste geben wie möglich."

Um 2027 mit insgesamt 80 Millionen Euro Zuschuss auszukommen, sind laut DVB-Planungen zehn Prozent Reduzierungen im Leistungsangebot erforderlich. Dazu laufen Abstimmungen mit Rathaus und TWD.

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Nach TAG24-Informationen sind der Abbau von 100 Stellen (vorwiegend Fahrbetrieb), die Kürzung der Flotte um 11 Bahnen und 23 Busse im Gespräch. Geprüft wird auch, Trams künftig 50 statt bislang maximal 30 Jahre fahren zu lassen.

Linke-Fraktions-Chef André Schollbach (47) kritisiert das Stadtoberhaupt.  © Thomas Türpe
Im Fahrbetrieb könnten viele Stellen gekürzt werden.  © Steffen Füssel

Kompromiss ist gefragt: Ein Kommentar zu den DVB-Sparmaßnahmen

TAG24-Chefreporter Hermann Tydecks.  © Eric Münch

Sparen oder fahren: Die Diskussion über die Zukunft der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) nimmt mal wieder Fahrt auf. Laut Verwaltung reichen die ab kommendem Jahr maximal vorgesehenen 80 Millionen Euro Zuschüsse nicht aus, um das aktuelle Verkehrsangebot fortzuschreiben - trotz aller bereits erfolgten Kürzungen im Liniennetz.

Das Defizit werde 8,3 Millionen Euro betragen, insbesondere bedingt durch deutlich steigende Betriebs- und Personalkosten. Werde das nicht durch erhöhte Zuschüsse ausgeglichen, seien (weitere) Kürzungen im ÖPNV-Angebot notwendig - wie bereits in der Vergangenheit.

Fraktionen wie die Linke stemmen sich gegen weitere Einschnitte, stellen auch das Zahlenwerk der Verwaltung infrage. Tatsächlich übertrafen die DVB die Erwartungen im Jahr 2025 erheblich. Ob sie das auch dieses Jahr schaffen, ist offen.

Es bleibt jedenfalls ein Ärgernis, wenn der Freistaat für das bestellte Bildungsticket zu wenig Geld überweist - trotz aktuell geplanter Anpassungen bleibt die Stadt allein dafür auf drei Millionen Euro Minus sitzen.

Meines Erachtens müssten alle Beteiligten auf einen Kompromiss hinarbeiten! Der Freistaat kommt Dresden finanziell entgegen. Die Stadt macht ein paar mehr Euro locker, im Zweifel aus den traditionell üppig ausfallenden Gewinnen der kommunalen SachsenEnergie. Und die DVB kürzen weiter, aber in Maßen.

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