Ein Hauch von zivilem Ungehorsam: Wie Anwohner ihre Straße vor der Sommerhitze schützen

❤️
😂
😱
🔥
😥
👏

Dresden - In der Sommerhitze ist es auf der Prießnitzstraße (Dresden) kaum auszuhalten, sagen Anwohner. Weil die Stadt hier keine Bäume pflanzen will, kümmern sie sich auf eigene Faust ums Straßengrün. Voller Hingabe pflegen sie Pflanzkübel und Hochbeete, in denen etwa Kirschbäume, Lavendel und Gartenkräuter wachsen.

Sie sind die Köpfe hinter der Bürgerinitiative: Christoph Anders (57) und Anja Romanowski (54).
Sie sind die Köpfe hinter der Bürgerinitiative: Christoph Anders (57) und Anja Romanowski (54).  © Steffen Füssel

Auf dem Abschnitt zwischen Louisenstraße und Bischofsweg gibt es 100 Parkplätze, aber keinen einzigen Straßenbaum. "Das hier ist eine versiegelte Häuserschlucht. Die Hitze ist einfach unerträglich", sagen die Anwohner Christoph Anders (57) und Anja Romanowski (54).

Seit vier Jahren engagieren sie sich in der "Initiative Prießnitzallee". Die Vision: Aus der in weiten Teilen kargen Prießnitzstraße wird eine grüne Allee. Einen Anfang machen Holzkübel und Beete, die Nachbarn von der Initiative in Eigenregie aufgestellt haben.

"Zuerst haben wir an der Schönfelder Straße einen Bottich mit einem Trompetenbaum installiert", erzählt Romanowski. "Hier haben sich immer wieder unerlaubt Autos hingestellt." Sukzessive kamen weitere Kübel und Beete dazu.

Dresden: Die Staatlichen Kunstsammlungen ehren ihren Gründer
Dresden Die Staatlichen Kunstsammlungen ehren ihren Gründer

Jetzt wachsen auf der Prießnitzstraße auch Apfel- und Pflaumenbäume. In Hochbeeten sprießen Lavendel, Salbei, Thymian, Kamille ... Auch um das Gießen kümmert sich die Initiative - und der Aufwand trägt Früchte.

Christoph Anders: "Letztes Jahr haben wir unseren ersten Apfel geerntet, dieses Jahr schon vier Pflaumen."

Hier fehlen schattenspendende Straßenbäume, sagt die "Initiative Prießnitzallee".
Hier fehlen schattenspendende Straßenbäume, sagt die "Initiative Prießnitzallee".  © Steffen Füssel
Deine täglichen News aus Dresden

Jeden Morgen die wichtigsten Nachrichten direkt in dein Postfach.

  • Lokale Nachrichten aus Dresden & Umgebung
  • Exklusive Hintergrundberichte
  • Jederzeit abbestellbar
Deine Anmeldung konnte nicht gespeichert werden. Bitte versuche es erneut.
Deine Anmeldung war erfolgreich. Bitte bestätige die E-Mail, die wir dir gesendet haben.
Mit deiner Anmeldung stimmst du unseren Datenschutzbestimmungen zu.
"Bürgergrün": Liebevoll haben Anwohner verwaiste Fahrräder mit Blumen bepflanzt.
"Bürgergrün": Liebevoll haben Anwohner verwaiste Fahrräder mit Blumen bepflanzt.  © Fotomontage/Steffen Füssel
Christoph Anders gießt als Beet umfunktionierte Fahrradanhänger - auch "Fahrgärtchen" genannt. Vor Kurzem wütete darin ein Marder.
Christoph Anders gießt als Beet umfunktionierte Fahrradanhänger - auch "Fahrgärtchen" genannt. Vor Kurzem wütete darin ein Marder.  © Steffen Füssel
Mit diesem Trompetenbaum im Holzbottich begann alles. Die Straßenbäume im Hintergrund gehören nicht zur Prießnitzstraße.
Mit diesem Trompetenbaum im Holzbottich begann alles. Die Straßenbäume im Hintergrund gehören nicht zur Prießnitzstraße.  © Fotomontage/Steffen Füssel

Es gibt auch Gegner des Projekts: So werden Kübel verschoben oder Früchte geklaut

Immer noch bestimmen Asphalt und Autoblech das Straßenbild auf der Prießnitzstraße.
Immer noch bestimmen Asphalt und Autoblech das Straßenbild auf der Prießnitzstraße.  © Steffen Füssel

Doch es gibt auch Gegner der Gruppe. Manchmal verschieben Autofahrer Kübel, um parken zu können. Andere pflücken Blumen oder klauen Früchte und Kräuter.

Die Stadtverwaltung duldet die Kübel weitgehend - Baumpflanzungen oder eine weitere Verkehrsberuhigung, wie die Initiative sie fordert, plant sie aber auch nicht. Für Baumpflanzungen gebe es wegen Leitungen im Untergrund sowieso nur wenige geeignete Standorte.

"18 Straßenbäume, die im Wechsel gepflanzt werden, müssten schon möglich sein - gerne auch mehr", wünscht sich hingegen Anja Romanowski und betont: "Auf dieser Straße lohnt sich jeder Baum. Er wird überleben."

Titelfoto: Fotomontage/Steffen Füssel

Mehr zum Thema Dresden: