Ein Hauch von zivilem Ungehorsam: Wie Anwohner ihre Straße vor der Sommerhitze schützen
Dresden - In der Sommerhitze ist es auf der Prießnitzstraße (Dresden) kaum auszuhalten, sagen Anwohner. Weil die Stadt hier keine Bäume pflanzen will, kümmern sie sich auf eigene Faust ums Straßengrün. Voller Hingabe pflegen sie Pflanzkübel und Hochbeete, in denen etwa Kirschbäume, Lavendel und Gartenkräuter wachsen.
Auf dem Abschnitt zwischen Louisenstraße und Bischofsweg gibt es 100 Parkplätze, aber keinen einzigen Straßenbaum. "Das hier ist eine versiegelte Häuserschlucht. Die Hitze ist einfach unerträglich", sagen die Anwohner Christoph Anders (57) und Anja Romanowski (54).
Seit vier Jahren engagieren sie sich in der "Initiative Prießnitzallee". Die Vision: Aus der in weiten Teilen kargen Prießnitzstraße wird eine grüne Allee. Einen Anfang machen Holzkübel und Beete, die Nachbarn von der Initiative in Eigenregie aufgestellt haben.
"Zuerst haben wir an der Schönfelder Straße einen Bottich mit einem Trompetenbaum installiert", erzählt Romanowski. "Hier haben sich immer wieder unerlaubt Autos hingestellt." Sukzessive kamen weitere Kübel und Beete dazu.
Jetzt wachsen auf der Prießnitzstraße auch Apfel- und Pflaumenbäume. In Hochbeeten sprießen Lavendel, Salbei, Thymian, Kamille ... Auch um das Gießen kümmert sich die Initiative - und der Aufwand trägt Früchte.
Christoph Anders: "Letztes Jahr haben wir unseren ersten Apfel geerntet, dieses Jahr schon vier Pflaumen."
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Es gibt auch Gegner des Projekts: So werden Kübel verschoben oder Früchte geklaut
Doch es gibt auch Gegner der Gruppe. Manchmal verschieben Autofahrer Kübel, um parken zu können. Andere pflücken Blumen oder klauen Früchte und Kräuter.
Die Stadtverwaltung duldet die Kübel weitgehend - Baumpflanzungen oder eine weitere Verkehrsberuhigung, wie die Initiative sie fordert, plant sie aber auch nicht. Für Baumpflanzungen gebe es wegen Leitungen im Untergrund sowieso nur wenige geeignete Standorte.
"18 Straßenbäume, die im Wechsel gepflanzt werden, müssten schon möglich sein - gerne auch mehr", wünscht sich hingegen Anja Romanowski und betont: "Auf dieser Straße lohnt sich jeder Baum. Er wird überleben."
Titelfoto: Fotomontage/Steffen Füssel
