Nick Cave begeistert am Dresdner Elbufer: Ein Rockkonzert als Gottesdienst

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Dresden - Nick Cave (68) ist ein Garant für düster-poetische Rockmusik. Am Sonntag begeisterte der australische Sänger mit seiner Band "The Bad Seeds" und famosem Gospel-Chor mit einem fulminanten Auftritt bei den Filmnächten am Elbufer in Dresden.

Von Beginn an auf enger Tuchfühlung: Nick Cave (68) zieht seine Fans beim Konzert am Elbufer in seinen Bann.
Von Beginn an auf enger Tuchfühlung: Nick Cave (68) zieht seine Fans beim Konzert am Elbufer in seinen Bann.  © Petra Hornig

Satte zweieinhalb Stunden gab's rund 20 Songs aus vier Jahrzehnten - rumpelig, beschwörend, elegisch. Ein Konzert, das am Ende einem ergreifenden Gottesdienst glich und bei vielen Besuchern die Tränen rinnen ließ.

Auf Schlager folgte Alternative-Rock: Am Freitag und Samstag hatte noch Roland Kaiser (74) die Filmnächte-Bühne regiert, dann übernahm Cave das Zepter. Was beide eint: ihre Vorliebe für elegante Dreiteiler, die kultische Verehrung ihrer Fans und ein jeweils ausverkauftes Areal.

Damit enden die Gemeinsamkeiten. Zwar geht es in ihren Liedern immer auch um Liebe, doch bei Cave ist die nie ohne Schmerz, Verlust, Verzweiflung und der Hoffnung auf Erlösung zu haben.

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Relativ ruppig startet Cave seine Show, auf "Get Ready for Love" folgt direkt das rostig-bluesige Frühwerk "From Her to Eternity", in höchster Intensität dargeboten, eher geschrien denn gesungen. Auch "Train Long-Suffering" und "Tupelo" knarzen gewaltig. Das schöne "Wild God", Titelstück des 2024er-Albums, sonst meist früh im Set platziert, wandert indes in den Zugabenblock.

Von Beginn an sucht Cave das Bad in der Menge, stürmt an den Bühnenrand, lässt sich anfassen, beugt sich tief über die Fans in der ersten Reihe, schüttelt unentwegt Hände, geht auf Tuchfühlung.

Bärtiger Mann reicht dem Sänger Blumen und gibt ihm einen Kuss

Der 68-Jährige startete seine musikalische Reise bereits 1973.
Der 68-Jährige startete seine musikalische Reise bereits 1973.  © IMAGO/Landmark Media

Einem bärtigen Mann, der ihm Blumen reicht, gibt Cave einen Kuss, später signiert er während "Jubilee Street" geschmeidig hochgehaltene Schallplatten-Cover, hievt eine junge Frau aus dem Publikum für ein paar gemeinsame Strophen auf die Bühne. Ein nahbarer Weltstar.

Mal hämmert Cave grimmig auf die Tasten seines Yamaha-Flügels, dann wieder scherzt er, kündigt "Carnage" als "besten Song der Welt" an, "Rings of Saturn" als "zweitbesten", lässt vor "Joy" das Publikum die deutsche Übersetzung skandieren: "Freu-de, Freu-de, Freu-de!" Kreativ-Partner Warren Ellis gibt derweil mit wehender Mähne und weißem Rübezahl-Bart grinsend den Teufelsgeiger.

Die Hinrichtungs-Moritat "The Mercy Seat" gerät erschütternd, "The Weeping Song" hymnisch, die walzerselige Mörder-Ballade "Henry Lee" singt Cave im Duett mit Janet Ramus vom Gospel-Chor, der für erhabene Background-Unterstützung sorgt.

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Das Konzert wird zur Messe, der gläubige, stets bibelfeste Sänger endgültig zum Prediger, wenn er im epischen, gut viertelstündigen Song "Hollywood" barmt: "And I'm just waiting now for my time to come."

"Wide Lovely Eyes" und "Skeleton Tree" gehörten zu den Zugaben, bis Cave schließlich allein am Klavier das Liebes-Gebet "Into My Arms" anstimmte. Oh Lord: Das Publikum sang einstimmig mit. Ein bewegendes Gänsehaut-Finale, das viele Augen feucht werden ließ. Laut, intensiv, beseelend: ein grandioses Konzert.

Titelfoto: Petra Hornig

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