Gewerkschafter üben Kritik: Wie fair sind die Löhne im Silicon Saxony?

Dresden - Ist das das Ende der Jubelgesänge? Jahrelang waren Staatsregierung, Arbeitgeber-, Wirtschafts- und Branchenverbände voll des Lobes für das Wunder der Halbleiterindustrie in und um Dresden. Auch die Beschäftigten waren mit den - oberflächlich gesehen - gut bezahlten Jobs nicht unzufrieden. Bei genauerem Hinsehen stellt sich die Lage vielerorts etwas differenzierter dar. Eine Tour mit Gewerkschaftern im Panorama-Bus durch das Silicon Saxony .

Klares Statement von Beschäftigten der Robert Bosch Semiconductor Manufacturing Dresden.  © Norbert Neumann

Erste Station: Infineon. Bei dem Chipproduzenten arbeiten rund 4000 Beschäftigte, Tendenz steigend, so der Betriebsratsvorsitzende Stefan Eisold. Tarifvertrag? Fehlanzeige! Die Unternehmensleitung sträubt sich dagegen, obwohl Tarifverträge an den West-Standorten gelten.

Nächster Tourpunkt: Jenoptik - Produkte für die Halbleiterindustrie, 2000 m² Reinraum, aktuell 111 Mitarbeiter. Für sie gilt seit Jahresanfang ein Tarifvertrag. "Ein attraktiver Arbeitgeber", lobt der Betriebsratsvorsitzende Christoph Simm (42).

Weiter zur Chipfabrik von Bosch, 900 Mitarbeiter: Einige stehen mit einem Plakat vor dem Werk. Sie fordern u. a. Weihnachts- und Urlaubsgeld.

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Weil: "Das Dresdner Werk ist das einzige von dreien bei Bosch, in dem es keinen Tarifvertrag gibt", erklärt der Vize-Betriebsratsvorsitzende Markus Gunia (58). Dafür bei den Kollegen zu werben, das will Bosch auch nicht.

Verhandlungen darüber gibt es dagegen bei Zeiss SMT (Optische Lösungen, aktuell 60 Beschäftigte, 60 weitere sollen demnächst dazukommen). Das ist aber schwer erkämpft, wie Babette Laudely (55) vom Betriebsrat im Bus referiert.

Im September sollen die Details geklärt werden. "Wir bekommen einfach weniger als die Kollegen im Westen", so Laudely.

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Sieht riesig aus, ist im Vergleich zum Standort Reutlingen (Baden-Württemberg) klein: die Chip-Fabrik von Bosch in Dresden. Dort arbeiten 900 Beschäftigte, im Westen sind es rund 10000.  © Thomas Türpe
Schwer verdientes Geld: 3-Schichtbetrieb 365 Tage im Jahr und dann die volle Reinraum-Schutzausrüstung. (Symbolfoto)  © imago/Sylvio Dittrich
Der umfunktionierte Tourbus. Vielleicht kommen die Betriebe im "Silicon Saxony" in Sachen Tarifvertrag jetzt auch auf Touren.  © Norbert Neumann
Stefan Ehly (42) von der IG Metall Dresden und Riesa im "Tourbus". Er plädierte für "Augenhöhe".  © Norbert Neumann

Auch bei "Rohde & Schwarz" laufen die Diskussionen um einen Tarifvertrag

Viele Beschäftigte von Rohde & Schwarz stellten sich am Donnerstag kraftvoll hinter die Gewerkschaftsforderungen.  © Norbert Neumann

Letzte Station: Rohde & Schwarz (Forschung für die Digitale Signalverarbeitung): Plakate in den Fenstern und Transparente, die eine beachtliche Gruppe von Mitarbeitern (alle in Gewerkschafts-T-Shirts) hochhalten.

Die Chefetage verweigert den 95 Kollegen bisher Verhandlungen über einen Tarifvertrag. Noch während der Kundgebung fordern die Chefs, die Plakate in den Fenstern sollen weg.

Ein lautes "Buh" ist die Antwort. "Wir tragen als Belegschaft hier in Dresden maßgeblich zum Erfolg des Unternehmens bei. Gleiche Arbeit verdient gleiche Anerkennung und faire Bedingungen", betont Lars Adam (28) vom Betriebsrat.

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Klingt wie ein Schlusswort. Noch was? Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Dresden und Riesa, Stefan Ehly (42): "Augenhöhe stellt man nur mit einem Tarifvertrag her!"

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