Handwerkskammer sorgt sich um Betriebe: SachsenEnergie kauft Privat-Firmen auf

Dresden - "Staatsunternehmen übernimmt Privatbetrieb" - solche oder ähnliche Meldungen waren Beobachter bisher aus dem Ausland gewohnt. Doch jetzt scheint sich diese Praxis auch in Dresden durchzusetzen.

SachsenEnergie ist mit rund 600.000 Kunden Ostdeutschlands größter kommunaler Versorger.
SachsenEnergie ist mit rund 600.000 Kunden Ostdeutschlands größter kommunaler Versorger.  © Steffen Füssel

Zum Jahreswechsel kaufte SachsenEnergie (Drewag, ENSO) - über eine Holding zu 82 Prozent im Eigentum der Landeshauptstadt - zwei Firmen aus dem Dresdner Umland.

"Quittel" heißt die Dachdeckerfirma aus Weinböhla (Landkreis Meißen), "Ampere Solar" ist ein Installateur für Fotovoltaik-Anlagen aus Dresden. Beide gehören mit ihren insgesamt 30 Mitarbeitern nun als Tochterunternehmen zur Firmengruppe.

Es ist nicht das erste Mal: Bereits 2021 schluckte SachsenEnergie den Windkraft-Spezialisten "Frank Bündig".

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Das Motiv hinter den jüngsten Übernahmen: Der kommunale Versorger möchte sein Fotovoltaik-Geschäft ausbauen.

"Wir verfolgen damit weiter zielstrebig unseren Kurs, die Sparte regenerative Energien im Unternehmen noch breiter und leistungsfähiger aufzustellen", erklärt Frank Brinkmann (55), Vorstandsvorsitzender.

Eine Sprecherin von SachsenEnergie betont: "Die beiden Unternehmen sind nach wie vor eigenständig und entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von Vertrieb bis Errichtung, tätig."

Bei der Handwerkskammer Dresden schrillen die Alarmglocken

SachsenEnergie-Vorstand Frank Brinkmann (55) forciert den Ausbau erneuerbarer Energien.
SachsenEnergie-Vorstand Frank Brinkmann (55) forciert den Ausbau erneuerbarer Energien.  © Thomas Türpe

Bei der Handwerkskammer Dresden schrillen ob dieser Entwicklung die Alarmglocken. "Mit dem Kauf von Handwerksbetrieben wurde von der SachsenEnergie eindeutig eine Grenze überschritten", erklärt HWK-Präsident Jörg Dittrich (53).

In der Kammer besteht die Sorge, dass die Anlagen künftig durch unternehmenseigene Dienstleister installiert und bevorzugt ans Netz angeschlossen werden. Das bedeute längere Wartezeiten für private Betriebe und Kunden.

Dittrich: "Wir fordern die Stadtspitze wie auch die Geschäftsführung der SachsenEnergie auf, auf den Weg der Partnerschaft mit dem Handwerk zurückzukehren."

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Bei anderen städtischen Betriebe, wie den DVB, gibt es bisher keine Bestrebungen, private Handwerksbetriebe zu übernehmen. Das bestätigt auch das Rathaus.

Mitunter müssen Kunden monatelang auf die Montage von Fotovoltaik-Anlagen warten.
Mitunter müssen Kunden monatelang auf die Montage von Fotovoltaik-Anlagen warten.  © IMAGO/Rolf Poss
Nicht nur am Sperrzaun sorgen die Verschiebungen am Markt für Spannungen.
Nicht nur am Sperrzaun sorgen die Verschiebungen am Markt für Spannungen.  © picture alliance / Geisler-Fotopress
Handwerkskammer-Präsident Jörg Dittrich (53), selbst Dachdeckermeister, warnt vor den Folgen für Privatkunden und -betriebe.
Handwerkskammer-Präsident Jörg Dittrich (53), selbst Dachdeckermeister, warnt vor den Folgen für Privatkunden und -betriebe.  © André Wirsig

Eine Sprecherin: "Bei keinen weiteren städtischen Unternehmen erfolgten in den letzten fünf Jahren ähnliche Übernahmen oder sind aktuell geplant."

Titelfoto: Steffen Füssel, Thomas Türpe

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