Radebeul - Ein Jahr lang blieb der Thron der sächsischen Weinhoheiten vakant. Der Verband hat Strukturen umgestellt, Coachings verbessert und den Wettbewerb erstmals auch für Männer geöffnet. "Spitzhaus"-Gastgeber Marco Stelter (47) will nun Sachsens erster Weinkönig werden.
Eigentlich wollte "Marco der Erste" Barkeeper auf Malle werden. "Ich war 18 und hatte ein Vierteljahr Urlaub aus der Ausbildung angespart", erzählt er TAG24 und lacht: "Am ersten Tag hab ich mich aber von Hütchenspielern übern Tisch ziehen lassen."
Nach 14 Tagen hinterm Tresen der Playa-Disco Oberbayern zog ihn seine Mutter an den Ohren zurück nach Deutschland. Und hatte ihm eine Bewerbung fürs Spitzhaus geschrieben.
"Alle rannten hier rum wie die Störche mit ihren Fliegen und Hosenträgern." Als Linkshänder habe er früh aufgehört, die gefallenen Teller zu zählen. Doch schon mit 23 durfte er ausbilden, mit 27 leitete er das Restaurant.
Ab 2017 führte er deren Geschäfte. Nach Corona brannte Marco aus. Jetzt braucht Marco "was Neues". Und ließ sich diese Bewerbung nicht mehr von Mutti schreiben.
Weinkönig-Bewerber Marco Stelter verspricht: "Ich werde dafür brennen!"
Doch kann er das auch? Die 20.000 Euro teuren Insignien (Brosche, Kette, Kelch) sind eine schwere Bürde. Und Marco ist der einzige Prinz, umringt von sechs Mitbewerberinnen. "Die sind ja auch alle bildhübsch! Und ich sitz’ da mit meinem Bäuchel ...", lacht der Vergebene verlegen. "Aber mich hat der Ehrgeiz gepackt."
Denn als Gastgeber weiß er, wie wichtig die Rolle auch für die heimischen Winzer ist, deren Absatz sinkt und Kosten steigen. "Ich werde dafür brennen!", verspricht Marco und freut sich darauf, seine private Freizeit mit dem schicken Ehrenamt zu verbinden.