Dresdens Ehrenamt-Helden: Mit dem Kegelverein gelang Oma Monika der große Wurf

Dresden - Sie bewegen Dresden - jeden Tag, mit Herz, Einsatz und Leidenschaft. Ohne sie stünde der Vereinssport still: Ehrenamtliche, die anpacken, organisieren, trösten, jubeln - ganz ohne Gehalt. Schon seit Wochen stellen TAG24 und der StadtSportBund Dresden diese heimlichen Heldinnen und Helden ins Rampenlicht. Und gerade am heutigen Internationalen Tag des Ehrenamtes wird einmal mehr deutlich, wie viel sie für unsere Stadt leisten. Wir zeigen die Gesichter hinter dem Ehrenamt - die Menschen, die den Dresdner Sport so lebendig machen. Auch Lust, mit anzupacken? Meldet Euch gern beim StadtSportBund!

Monika Otto (74) kann sich ein Leben ohne Kegeln nicht mehr vorstellen.
Monika Otto (74) kann sich ein Leben ohne Kegeln nicht mehr vorstellen.  © Norbert Neumann

Manchmal geraten Menschen in ein Ehrenamt, das ihnen so sehr ans Herz wächst, dass es ihr Leben prägt. So ist es bei Monika Otto, die mit ihren 74 Jahren fast täglich für den Kegel-SV Dresden Leuben auf der Kegelbahn steht.

"Ich bin zurzeit außer freitags immer auf der Kegelbahn", sagt sie - nicht klagend, sondern mit einem Lächeln. Ihr Weg ins Kegeln begann unspektakulär: "Ich bin aus der Schule gekommen und habe sofort bei der Post angefangen zu arbeiten."

Durch eine Kollegin, deren Mann Übungsleiter bei Aufbau Nord war, rutschte sie in den Sport hinein. Was als lockerer Freizeittrupp begann, wurde ernst, als sie bei der Stadteinzelmeisterschaft startete und prompt auffiel.

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Übungsleiter wurden gebraucht, und so machte sie 1992 ihren Schein. Zu dieser Zeit war sie bei Motor Mickten. Doch 2002 verließ sie den Verein und wollte eigentlich Schluss machen. "Aber dann habe ich gemerkt, ohne Kegeln geht es doch nicht."

Leicht ist diese Arbeit nicht

Auch wenn Monika Otto als Spielerin kaum noch aktiv ist, können sich die Kinder bei ihr einiges abschauen.
Auch wenn Monika Otto als Spielerin kaum noch aktiv ist, können sich die Kinder bei ihr einiges abschauen.  © Norbert Neumann

Die Leubener kannte sie schon seit 1987, als sie einmal beim Turn- und Sportfest für sie spielte. 2004 kehrte sie dorthin zurück und fand ihre wahre Aufgabe: die Jugendarbeit. "Ich habe mich das erst gar nicht richtig getraut, Kinder zu trainieren", erinnert sie sich.

Sie öffnete eine Kindergruppe, immer in der Hoffnung, dass die jungen Spieler bleiben würden. Durch einen Vertrag mit der Schule entstand ein Kurs, bei dem regelmäßig Kinder vorbeikamen. "Wir haben einfach gesagt: Wer will, kann kommen."

Leicht ist diese Arbeit nicht. "Mit einer Zweibahnanlage ist es schwierig, die Kinder zu beschäftigen. Deshalb nehme ich nur zwei pro Stunde."

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Ein großes Hindernis ist auch die Mobilität. "Ich habe kein Auto, um die Kinder zu Wettkämpfen zu fahren", erzählt sie. Doch sie ist nicht allein: "Ich habe super Eltern, die mich unterstützen."

Was treibt Monika an?

Sascha Lahr (44) vom StadtSportBund Dresden überreichte der engagierten Ehrenamtlerin Blumen und einen Gutschein.
Sascha Lahr (44) vom StadtSportBund Dresden überreichte der engagierten Ehrenamtlerin Blumen und einen Gutschein.  © Norbert Neumann

Nachwuchs sei in vielen Vereinen knapp, vor allem in der U10 und U14. Ohne sie würde es vielleicht auch in Leuben keinen Nachwuchs geben.

Doch Monika lebt für ihr Ehrenamt und steckt mindestens zehn bis zwölf Stunden pro Woche in Training, Betreuung und Organisation.

Als Spielerin selbst ist sie kaum noch aktiv, denn nach einem Sprunggelenks- und einem Handgelenkbruch kommt sie "nicht mehr richtig auf Leistung".

Was sie antreibt? "Die Arbeit mit den Kindern macht mir einfach Spaß. Ich freue mich jeden Tag - und das, obwohl ich eigentlich nie Kinder trainieren wollte", schmunzelt sie.

Technik, Haltung, Konzentration - all das bringt sie ihnen bei. Und vor allem, wie man lernt zu verlieren.

Alle Neune in Leuben

Die Dresdnerin trainiert die Kinder und Jugendlichen der "U10" und "U14".
Die Dresdnerin trainiert die Kinder und Jugendlichen der "U10" und "U14".  © Norbert Neumann

Der Kegel-Sportverein Dresden-Leuben zählt heute 102 Mitglieder, darunter 15 Jugendliche - und steht damit in einer langen, bewegten Tradition.

Seine Wurzeln reichen zurück in die DDR, als Kegeln Teil der Betriebssportgemeinschaften war und ganze Belegschaften den Nachwuchs stellten.

Nach der Wiedervereinigung verschwanden viele Kegelanlagen, Sportler suchten neue Heimat - so fanden auch frühere Mitglieder der BSG Sachsenwerk, von Blau-Weiß Zschachwitz und anderen ihren Weg nach Leuben.

Dort trainieren sie auf der 1964 gebauten Kegelbahnanlage an der Pirnaer Landstraße.

390 Vereine organisiert

Den StadtSportBund Dresden ziert dieses Logo.
Den StadtSportBund Dresden ziert dieses Logo.  © Stadtsportbund Dresden e.V.

Unter dem Dach des StadtSportBundes Dresden (SSBD) sind rund 390 Vereine mit über 127.000 Mitgliedern vereint. Doch ohne Ehrenamtliche läuft nichts.

Um dieses Engagement zu stärken, können Vereine ihre Helfer mit der Ehrenamtspauschale von 840 Euro im Jahr steuerfrei honorieren.

Trotzdem fehlt vielerorts der Nachwuchs: Immer weniger Menschen übernehmen freiwillig Verantwortung im Sport.

Um das Engagement zu würdigen, hat TAG24 zusammen mit dem SSBD diese Serie entwickelt.

Auf seiner Website finden Interessierte über eine Ehrenamtsbörse passende Aufgaben in Dresdner Sportvereinen: ssb-dresden.de.

Titelfoto: Norbert Neumann

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