Ausstellung von heute auf morgen abgesagt! Kuratorin streitet mit SKD

Dresden - Nur Stunden vor der Eröffnung der Kolonialismus-Ausstellung "Das Jahr 1983", vergangene Woche im Albertinum geplant, hatte die Gastkuratorin Zoé Samudzi, amerikanisch-simbabwische Soziologin, die Schau platzen lassen. Am Wochenende legte die Kuratorin nach und kritisierte das Museum auf Instagram schwer. Nun entschuldigen sich die SKD. Was war da los?

Im Albertinum hätte die abgesagte Ausstellung "Das Jahr 1983" gezeigt werden sollen.
Im Albertinum hätte die abgesagte Ausstellung "Das Jahr 1983" gezeigt werden sollen.  © IMAGO/ingimage/Tono Balaguer

Der Hintergrund ist komplex. Die Schau "Das Jahr 1983" sollte das komplizierte Verhältnis der DDR mit der deutschen kolonialen Vergangenheit beleuchten. Sie war vorgesehen als zweiter Teil der Ausstellungsreihe "Sequenzen: Verflochtene Internationalismen" und hätte unter anderem ein Konzentrationslager im späteren Namibia thematisieren sollen, sowie dem damit verbundenen Völkermord kaiserlicher Truppen an den Völkern der Herero und Nama.

Zum Dissens kam es über Meinungsäußerungen der Kuratorin, die die SKD nicht als vermeintlichen wissenschaftlichen Fakt stehenlassen wollten.

"Der Spiegel" hatte den Eklat vergangene Woche bundesweit öffentlich gemacht, SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann (59) hatte sich darin erklärt. Am Wochenende berichtete das Nachrichtenmagazin über weitere Kritik von Samudzi.

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In einer Instragram-Story habe die Kuratorin den SKD vorgeworfen, das Museum hätte sie "wie ein ungezogenes Kind" behandelt, weil man ihre "wissenschaftliche Arbeit als 'Meinung' bezeichnet habe".

SKD sprechen von "bedauerlichem Ausgang des Projekts"

Will Positionen kommentieren und entgegentreten können: SKD-Chefin Marion Ackermann (59).
Will Positionen kommentieren und entgegentreten können: SKD-Chefin Marion Ackermann (59).  © Eric Münch

Die SKD reagierten nun mit einem eigenen, langen Instagram-Post. Zunächst bedauere man die Absage Zoé Samudzis.

Wörtlich heißt es: "Das für alle Seiten traurige Scheitern aller gemeinsamen Aushandlungsversuche zeigt, wie schwerwiegend, weitreichend, belastend und belastet das bearbeitete Thema" bis in die Gegenwart sei. Es sei Ausdruck und Ergebnis auch von Ängsten, Missverständnissen und gegenseitigem Misstrauen.

Man habe sich noch am Vorabend der geplanten Ausstellungseröffnung mit Zoé Samudzi und weiteren Projektpartnern per FaceTime auszutauschen versucht und gebeten, die Autorenschaft der im Ausstellungsraum angebrachten Texte deutlicher zu kennzeichnen.

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"Dies hat die Kuratorin nicht akzeptiert – und wie sich nun in ihrem Statement zeigt, bedauerlicherweise als grundsätzliche Diskreditierung ihrer wissenschaftlichen Arbeit gewertet", so die SKD.

Weiter lässt sich Marion Ackermann erneut zitieren: "Wir stellen geschützte, gewaltfreie Räume zur Verfügung, in denen ein freier Meinungsaustausch möglich und ausdrücklich willkommen ist. Wir müssen aber auch darauf bestehen, Positionen und Äußerungen öffentlich kommentieren und ihnen gegebenenfalls entgegentreten zu können, die der demokratischen Grundhaltung der SKD entgegenstehen."

Abschließend heißt es: "Wir entschuldigen uns aufrichtig für die Tonalität unserer Kommunikation, die bei Zoé Samudzi offensichtlich Verletzungen erzeugte."

Trotz des "bedauerlichen Ausgangs dieses Projektes" wolle man aber auch in Zukunft an derartig relevanten und komplexen Themen in den Museen der SKD weiterarbeiten.

Titelfoto: Montage: IMAGO/ingimage/Tono Balaguer, Eric Münch

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