Dresdner Stummfilmtage starten: So modern sind alte Filme
Dresden - Alles, was wir heute in Filmen sehen, gab es naturgemäß irgendwann zu ersten Mal. Mit dem Ursprung solch technischer wie erzählerischer Innovationen beschäftigen sich die Dresdner Stummfilmtage, die am Sonntag in ihren mittlerweile elften Jahrgang starten. Juwelen sind (neu) zu entdecken, die moderner sind, als man es glaubt.
"Silent Innovations", so ist das diesjährige Programm überschrieben.
Vor elf Jahren aus der Taufe gehoben, eher als Liebhaberprojekt, auch um das Museumskino Ernemann VII B der Technischen Sammlungen bekannter zu machen, hat sich ein kleiner Hit entwickelt.
Freunde des frühen Kinos, naturgemäß ein überschaubares Publikum, sind den Stummfilmtagen und ihrer Mischung aus historischer Aufführungspraxis und heutigen Klangexperimenten treu. Stammgäste gibt es längst, über die Jahre hat sich das Festival mit immer neuen Spielorten nach und nach vergrößert.
In diesem Jahr werden die Stummfilmtage ihrem Hauptveranstaltungsort, den Technischen Sammlungen, gerechter denn je, denn gezeigt werden sowohl Klassiker als auch fast vergessene Filme, die entweder in künstlerischer oder technischer Hinsicht Meilensteine der Filmgeschichte waren. Filme, die erstmals etwas machten, was es vorher so kaum gab.
Eröffnet wird das Festival am Sonntag, um 20 Uhr, in Dresden, mit dem Film "My Boy" aus dem Jahr 1921. Darin zu sehen ist Jackie Coogan, der erste große Kinderstar der Filmgeschichte, im selben Jahr von Charlie Chaplin für "The Kid" entdeckt. Das Gesicht von "Silent Innovations" auf Flyern und Plakaten ist die Schauspielerin Louise Brooks, eine Ikone der Zwanziger durch den Film "Die Büchse der Pandora" (1929) von Georg Wilhelm Pabst (12. März im Kino im Kasten).
Brooks verkörperte eine der ersten wirklich komplexen Frauenfiguren des Kinos, wohl nicht von ungefähr ist der Termin um den Internationalen Tag der Frau herum programmiert.
Finale der Dresdner Stummfilmtage findet am 15. März statt
Zu sehen sind das Seeräuber-Abenteuer "The Black Pirate" (1926), der erste Technicolorfilm, Fritz Langs "Die Frau im Mond" (1929), einer der ersten Science-Fiction-Filme überhaupt - gezeigt am 11. März als Orgelkonzert mit der Dresdner Philharmonie im Konzertsaal des Kulti.
Ein Highlight ist das Meisterwerk "Der letzte Mann" (1924) von Friedrich Wilhelm Murnau, der das Drama vom Abstieg eines stolzen Hotelportiers (Heinrich George) zum Toilettenmann mit nur einer Texttafel erzählte. Das gelang durch die "entfesselte Kamera", die Murnau erstmals dem bis dahin statischen Stativ entriss und frei durch die Räume führte - noch heute atemberaubend anzusehen.
Zum Finale läuft am 15. März mit Beiprogramm "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" (1926). Der älteste erhaltene abendfüllende Animationsfilm, von Pionierin Lotte Reininger in Silhouetten-Scherenschnitt-Technik realisiert, wird zum 100. Jahrestag seiner Uraufführung mit einer neu komponierten Musik von Festival-Ko-Kurator Matthais Hirth gezeigt, quasi als "neue" Uraufführung.
Programm, Termine und Ticketverfügbarkeit unter: dresdnerstummfilmtage.de
Titelfoto: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

