Dresdner Sinfoniker spielen in Riad die erste arabische Oper: "Ein ganz großes Ding"

Dresden/Riad - Die Dresdner Sinfoniker sind bekannt für ungewöhnliche, wagemutige, stets innovative Konzerte. Ihr neues Projekt birgt zwei Superlative: In Riad führen sie in internationaler Zusammenarbeit "Zarqa Al Yamama" auf, die erste große Oper Saudi-Arabiens überhaupt. Und das in einem gigantischen Opernhaus am Rande der Wüste, das vor rund 40 Jahren erbaut wurde - und seitdem auf die erste Opernaufführung wartet.

Orchesterprobe zur ersten Grand Opera Saudi-Arabiens.
Orchesterprobe zur ersten Grand Opera Saudi-Arabiens.  © Chris Piotrowicz

"Das Haus wurde in den 80er-Jahren errichtet und liegt seitdem im Dornröschenschlaf", sagt Markus Rindt (57), Intendant der Dresdner Sinfoniker, der voller Vorfreude ist, den schlafenden Riesen "King Fahad Cultural Centre", mitunter auch Riad Opera House genannt, musikalisch wachzuküssen.

Bereits in den 70er-Jahren hatte der damalige König den Bau in Auftrag gegeben, um europäische Opernkultur im Rahmen einer kulturellen Öffnung des eher konservativen Landes nach Riad zu holen. Die saudische Hauptstadt sollte ein ähnliches relevantes Haus besitzen wie etwa Mailand mit der Scala.

Durch religiöse Widerstände ging der Plan nie auf. Für rund 140 Millionen US-Dollar wurde der Bau im architektonischen Stil der frühen 80er-Jahre zwar realisiert, aber - so Rindt - seitdem nie bespielt. Von einem Konzert eines japanischen Sinfonieorchesters 2017 abgesehen habe es bisher nie eine "richtige" Oper in dem Opernhaus gegeben.

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Erst seit 2017 seien in dem Land wieder Musik, Gesang, Theater und Tanz erlaubt, so die Sinfoniker in einer Mitteilung. Die 2018 vom Kulturministerium des Königreichs Saudi-Arabien gegründete Kommission für Theater und darstellende Künste hat die Reanimation des Hauses seitdem vorangetrieben.

Riad Opera House ist deutlich größer als die Semperoper

Die Ausmaße sind kaum zu erahnen: Musiker der Dresdner Sinfoniker mit Kollegen vor dem gigantischen Opernhaus in Riad.
Die Ausmaße sind kaum zu erahnen: Musiker der Dresdner Sinfoniker mit Kollegen vor dem gigantischen Opernhaus in Riad.  © Chris Piotrowicz

Das quasi ungenutzte Haus musste zunächst saniert werden. "Es wurde richtig schick gemacht", sagt Markus Rindt, der über die Dimensionen der Oper staunt. Etwa 3500 Sitzplätze gebe es, sagt er. Andere Quellen sprechen von 2700 Plätzen. Wie auch immer, die Semperoper fasst im Vergleich "nur" 1200 Gäste. "Es ist ein ganz großes Ding", so Rindt. Der Saal klinge gut, die Aufbruchsstimmung sei phänomenal.

Die Oper "Zarqa Al Yamama" wird von einer internationalen Produktionsfirma mit Sitz in London koordiniert, die die Dresdner Sinfoniker konkret dafür angefragt hatten - was deren internationale Bedeutung unterstreicht. "Zarqa Al Yamama" erzählt in arabischer Sprache eine Geschichte aus dem vorislamischen Arabien, es geht um die Legende einer blauäugigen Frau (die britische Mezzosopranistin Sarah Connolly, 60, singt die Titelpartie), die als Hellseherin ihr Volk vor einem Krieg warnt.

Das Libretto stammt vom saudischen Dichter Saleh Zamanan (39), die Musik vom australischen Komponisten Lee Bradshaw (52). Die Regie führt der Schweizer Daniele Finzi Pasca (60); unter der Leitung des spanischen Dirigenten Pablo González (49) spielen 62 Musiker der Dresdner Sinfoniker mit rund 20 arabischen Kollegen, dazu kommt der tschechische Philharmonische Chor Brünn.

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Ein mehrwöchiges Gastspiel, das laut den Sachsen als internationale Begegnung konzipiert sei, als Treffen von klassischer Oper mit arabischer Musiktradition. Die Uraufführung ist am 25. April, insgesamt sind zehn Aufführungen geplant.

Titelfoto: Bildmontage: Fotos/Chris Piotrowicz

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