"Japan auf Papier in Dresden" im Kupferstich-Kabinett: Was früher Mangas waren

Dresden - Jahre, Jahrzehnte, teils Jahrhunderte schlummerte eine bislang weitgehend unbekannte Sammlung japanischer Kunst in den Depots der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). Diesen Schatz hebt ab Freitag das Kupferstich-Kabinett in der Sonderausstellung "Japan auf Papier in Dresden. Utamaro, Hokusai, Hiroshige und die Grafik der Moderne". Diese klassische Holzschnittkunst tritt dabei sammlungsübergreifend in Dialog mit Werken westlicher Künstler.

"Utamaro, Hokusai, Hiroshige und die Grafik der Moderne", auf dem Foto Katsushika Kousai, Fuji, Südwind, Klares Wetter um 1831.  © Steffen Füssel

"Denken wir an Ostasiatika, dann meist an die Porzellansammlung Augusts des Starken", sagt SKD-Generaldirektor Bernd Ebert. Doch was viele nicht wüssten: Der SKD-Bestand an ostasiatischer Kunst sei viel größer, ja, Maßstäbe setzend: "Mit mehr als 10.000 Objekten seit dem 17. Jahrhundert gehört diese Sammlung zur ältesten und umfangreichsten ihrer Art in Europa."

Bedeutend, aber heute kaum bekannt. Nur wenige Hauptwerke wurden in Schauen der 90er-Jahre gezeigt.

"Es ist eine Forschungsausstellung", sagt Museumsdirektorin Stephanie Buck. Erarbeitet wurde sie objektbasiert, nachhaltig und über lange Zeit in einem großen Team. Alle Werke seien Unikate.

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"Wir stellen sie nicht einfach nur folkloristisch hin", so Buck. Man präsentiere die Arbeiten mit Respekt und so, dass sie ihre Bedeutung entfalten können. Eingeflossen in die Sammlung sind Bestände aus der Bibliothek des Kunstgewerbemuseums seit 1900, die völlig neu zu entdecken sind.

"Sie waren lange restaurationsbedürftig", sagt Kuratorin Petra Kuhlmann-Hodick. Ihr Co-Kurator Hans Bjarne Thomsen ergänzt: "Diese Sammlung ist ein unglaublicher Schatz, nur war er bislang etwas versteckt."

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Petra Kuhlmann-Hodick und Hans Bjarne Thomsen haben die Ausstellung "Japan auf Papier in Dresden" kuratiert.  © Steffen Füssel
Japanische Raum-Ästhetik im Kupferstich-Kabinett.  © Steffen Füssel
"Kraftprobe im Takashimaya Teehaus mit Hilfe von Shinto- und Buddhistischen Gottheiten" (um 1802–04) von Kitagawa Utamaro.  © Steffen Füssel

"Japan auf Papier": Neue Schau im Kupferstich-Kabinett

"Die Kurtisane Sagawa aus dem Sanotsuchiya Bordell mit ihrer Kamuro" (um 1830) von Keisai Eisen.  © Steffen Füssel

Nun mögen all diese ausdrucksstarken Arbeiten keine Mangas in heutigem Verständnis sein, doch fiel dieser Begriff durchaus im Rahmen des Ausstellungsrundgangs. Und tatsächlich: Die grafische Anmutung dieser historischen Werke wirken wie Vorläufer heutiger japanischer Anime-Zeichentrickkunst.

Vier Kapitel widmen sich anhand von rund 180 Exponaten den zentralen Themen des japanischen Holzschnitts: der Darstellung von Schönheit - also Frauen und Kurtisanen - mit Werken von Harunobu und Utamaro, danach Szenen und Schauspielerporträts des Kabuki-Theaters.

Sie werden ergänzt durch Illustrationen zu historischen Romanen - gruselige Impressionen mit Geistern und grausame Darstellungen ritueller Selbstmorde (Harakiri). Die finale Abteilung widmet sich in kontemplativer Einrichtung Heiligenlegenden und filigranen Landschaftsdarstellungen etwa von Hokusai und Hiroshige.

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Im zweiten Teil der Ausstellung wird die Bedeutung der Sammlung als Impulsgeber für die europäische Moderne und die Kunst- und Designausbildung in Dresden um 1900 in den Blick genommen. Die japanischen Arbeiten stehen Werken internationaler Künstler wie Henri de Toulouse-Lautrec oder Edvard Munch gegenüber, die sich durch japanische Kunst inspirieren ließen.

Präsentiert wird dies in atmosphärischem Ambiente (Ausstellungsgestaltung: Ines Beyer). Papier-Lampions, transparente Raumteiler und traditionelle japanische Theatervorhänge - eine Ausstellung wie eine Tee-Zeremonie für Geist und Sinne. Die Schau läuft mit großem Rahmenprogramm bis 20. September.

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