Meister der Miniatur: Dresdner Autor mit neuem Werk

Dresden - Neues von Michael G. Fritz (72). Der Dresdner Autor legt den Prosaband "Die Stille ist das Rieseln des Sandes" vor, kurze Texte, mit denen er sich gegen erzählerische Ausdehnung entscheidet. Das Buch enthält Beobachtungen, Erinnerungen - präzise gesetzt und auf Wirkung durch Reduktion angelegt.

Schriftsteller Michael G. Fitz (72) - er darf zufrieden sein mit dem neuen Buch.  © Heidrun Voigt

Fritz gehört zu jenen Autoren, deren Werk nicht auf Lautstärke setzt, sondern auf Genauigkeit. Mit dem neuen Buch setzt er sein langjähriges literarisches Projekt fort: die geduldige Erforschung von Erinnerung, Zeit und den Spuren der Geschichte im Alltag.

Der Autor lässt den langen Widerhall des Zweiten Weltkriegs, die nicht vollständig verheilten Wunden der deutschen Teilung sowie das Leben im Schatten der Mauer lebendig werden. Gleichzeitig gelingen ihm Blicke auf Stimmungen, Landschaften, die "feinen Risse" unserer Lebenswelt - jene kleinen Brüche und Unschärfen, die unseren Alltag durchziehen.

Hier und da scheint Melancholie durch, wie sie mit dem Altern einhergeht. "Aber was wir sehen, während wir älter werden, ohne zu klagen, ist verblassendes Licht im Nebel. Der andersrum Leben heißt", verlautet es an einer Stelle. Das Rauschen der Zeit und die fragile Schönheit des Augenblicks - Fritz' Schreiben trifft dies beides in berührender Weise.

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Der Untertitel "Miniaturen aus unserer und einer anderen Zeit" markiert das Changieren der Texte zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen individuellem Erleben und historischer Distanz. Die "andere Zeit" bleibt bewusst unscharf - sie kann Kindheit sein, DDR-Vergangenheit, Nachkriegszeit oder ein kollektiver Erinnerungsraum.

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Buchcover von "Die Stille ist das Rieseln des Sandes".  © mitteldeutscher Verlag

Michael G. Fritz: Kein Autor der vielen Worte

Autobiografisch ist dieses Schreiben eng verbunden mit Fritz’ eigenem Lebensweg. 1953 in Ost-Berlin geboren, erlebte er politische Brüche, Exmatrikulation und Umwege, bevor er sich als Autor etablieren konnte. Diese Erfahrung des Unterbrochenen, des fragmentierten Lebenslaufs, prägt sein Werk. Da wird Erinnerung durchaus konkret. Der längste Text des Bandes, "Ein Mauerstück", aus dem auch der Buchtitel destilliert ist, handelt von einem West-Besuch des Autors, Ehefrau und Kinder als "Faustpfand" in der DDR zurücklassend.

Ein Buch von gerade mal 128 Seiten. Fritz war nie ein Autor der vielen Worte. Wer die Ausdehnung seiner Bücher in Regalmetern misst, muss nicht allzu viel Platz veranschlagen. Wenige Autoren beherrschen die kurze Form so gut wie er, gerade die Miniatur, wovon schon sein Buch "La vita é bella: Miniaturen aus Venedig" von 2010, das infolge eines Studienaufenthalts in der Lagunenstadt entstand, zeugte.

Zuletzt erschienen war vor vier Jahren sein Israel-Buch "Meinen Apfelstrudel sollten Sie sich nicht entgehen lassen" mit literarischen Einblicken in das Land. Keine Miniaturen, doch in Blick, Beobachtung und literarischer Gestaltung so präzise wie diese. "Die Stille ist das Rieseln des Sandes" fügt sich stimmig in dieses literarische Profil ein.

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