Nach mehr als 43 Jahren im Dienst: Dresdens oberster Feuerwehrmann sagt Tschüss

Dresden - Dreimal hat er schon auf Bitte der Stadt um jeweils ein Jahr verlängert. Jetzt ist es soweit: Feuerwehrchef Andreas Rümpel (62) geht zum 1. November in den Ruhestand.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Feuerwehrchef Andreas Rümpel (62) geht nach mehr als 43 Dienstjahren in den "Unruhestand".
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Feuerwehrchef Andreas Rümpel (62) geht nach mehr als 43 Dienstjahren in den "Unruhestand".  © Thomas Türpe

43,5 Jahre war er bei der Dresdner Berufsfeuerwehr, seit April 2003 hatte er die Leitung des Brand- und Katastrophenschutzamtes inne. Dass er einst Feuerwehrmann wurde, war übrigens "eher ein Zufall"...

Die Tage sind gezählt. Mitte Oktober ist Andreas Rümpels letzter Arbeitstag. Auf dem Schreibtisch liegen Papierstapel. Es gibt noch viel zu tun. Der Chef von 740 Mitarbeitern wirkt trotzdem gelassen.

"Ich bin gespannt, was kommt", sagt er mit verschmitztem Lächeln und Blick auf seinen Ruhestand. Dass der "unruhig" wird, ist schnell klar. Die Feuerwehrjacke gedenkt er vorerst nicht abzulegen: Sein Ehrenamt als Vorsitzender (seit 2018) des Landesfeuerwehrverbandes wird er weiter ausüben.

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Zudem wirkt er als Dozent am Europäischen Institut für postgraduale Bildung der TU und ist als Fachmann auf Konferenzen gefragt.

Hier laufen die Fäden zusammen: Der scheidende Feuerwehrchef in der Einsatzleitstelle.
Hier laufen die Fäden zusammen: Der scheidende Feuerwehrchef in der Einsatzleitstelle.  © Thomas Türpe
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Ausbildung bei der Feuerwehr ersparte Rümpel den Wehrdienst

Stillgestanden und fester Handschlag: So begann für Andreas Rümpel die Karriere als Feuerwehrmann.
Stillgestanden und fester Handschlag: So begann für Andreas Rümpel die Karriere als Feuerwehrmann.  © Privat, Repro: Thomas Türpe

Außerdem will Rümpel Dinge tun, die lange zu kurz gekommen sind: "Ich möchte Fußball und Badminton spielen und mein leeres Aquarium wiederbeleben", verrät er. Fische hatte er schon als Kind.

Ganz anders war das mit der Liebe zur Feuerwehr. Ein Kleiner-Jungen-Traum war der Job an der Spritze nicht: Aufgewachsen in Laubegast, wo es keine Feuerwache gab, hatte Andreas Rümpel als Kind mit der Feuerwehr "wenig Berührungspunkte", wie er sagt.

Das kam erst mit der Berufssuche. Den damals 19-Jährigen lockte, dass ihm mit einer Ausbildung bei der Feuerwehr die Armee erspart blieb. So begann er 1978 als Anwärter in der Wache Löbtau, lernte die Löschkunst von der Pike auf. Eine Zeit, die ihn "wesentlich geprägt" hat.

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Ab 1983 war er in der Einsatzplanung, im Vorbeugenden Brandschutz und in der Brandursachenermittlung tätig, wurde Abteilungsleiter.

Fesche Uniform: Rümpel als Feuerwehranwärter 1978.
Fesche Uniform: Rümpel als Feuerwehranwärter 1978.  © Privat, Repro: Thomas Türpe
An der Front: Bei vielen Einsätzen war der Feuerwehrchef auch selbst als Einsatzleiter vor Ort.
An der Front: Bei vielen Einsätzen war der Feuerwehrchef auch selbst als Einsatzleiter vor Ort.  © Jörn Haufe

Technischer Fortschritt für Rümpel enorm

Erschütternde Erfahrung: Der furchtbare Bus-Unfall auf der A4 mit elf Toten (2014) beschäftigt Rümpel bis heute.
Erschütternde Erfahrung: Der furchtbare Bus-Unfall auf der A4 mit elf Toten (2014) beschäftigt Rümpel bis heute.  © Roland Halkasch

Wenige Monate nach der Flut 2002 stieg er zum Chef auf. "Bis dahin wurde an der Feuerwehr immer gespart." Die Flut veränderte das Bewusstsein, bis 2020 entstanden in Dresden allein acht neue Rettungswachen.

Hinzu kam der rasante technische Fortschritt: "In der Bandbreite müssen die Mitarbeiter heute viel mehr wissen."

Es gibt auch Niederschmetterndes, das Rümpel bis heute beschäftigt: 2014 starb sein Kollege Thomas Mende (†54) nach einem Autounfall im Dienst.

Im selben Sommer geschah der schwere Unfall auf der A4, mit elf Toten und über 60 Verletzten. "Das war schlimm."

Nach mehr als vier Jahrzehnten mag der scheidende Feuerwehrchef seinen Job trotzdem noch: "Er ist abwechslungsreich, es gibt Erfolgserlebnisse, und die Menschen sind dankbar."

Titelfoto: Thomas Türpe

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