Opa Werner (93) ist Deutschlands ältester Schülerlotse
Von Christiane Raatz
Dresden - Werner Niehle sorgt seit 15 Jahren dafür, dass die Kinder der 68. Grundschule im Dresdner Stadtteil Prohlis heil über die Straße kommen. Mit seinen 93 Jahren ist er wohl der älteste "Schülerlotse" der Republik.
Jeden Morgen schwingt sich Niehle auf sein Rad. Kaum an der recht befahrenen Straße angekommen, kommen die ersten Kids mit dem Ranzen auf dem Rücken.
"Ihr könnt gehen, die Straße ist frei", sagt Opa Werner und schwingt seine Kelle zum Zeichen, dass die Mädchen und Jungen losmarschieren dürfen. Jeder Helfer hat sein eigenes System. Mit der linken Kelle dirigiert er die Kinder, mit der rechten die Autofahrer. "Ich bin der Schulweghelfer mit zwei Kellen", sagt er schmunzelnd.
Seit 15 Jahren steht Niehle jeden Morgen in der Heiligenbornstraße in seinem Viertel - bei Wind und Wetter. Für ihn ist die Aufgabe mehr als ein Ehrenamt: Die Begegnungen mit den Kindern und Eltern, das Gefühl, gebraucht zu werden, motivieren ihn jeden Tag. "Und natürlich das Lächeln der Kinder."
Auch die Lehrer der Grundschule kennen Niehle seit Jahren.
Einer von 35 Schulweghelfern in Dresden
"Der Übergang ist schwierig, weil die Autos in zweiter Reihe parken", sagt die stellvertretende Schulleiterin Katrin Stark. Die Reaktion mancher Eltern kann sie nicht verstehen, etwa wenn der Schulweghelfer sie darauf hinweist, dass sie falsch parken.
Für Ärger im Ehrenamt hat Werner Niehle ein einfaches Rezept: "Gelassenheit und Resilienz", sagt der geborene Thüringer.
Niehle ist einer von 35 Schulweghelfern in Dresden. "Unser Ziel ist es, bis zum Jahresende auf 40 zu kommen", sagt Frank Tiesler, Geschäftsführer der Verkehrswacht Dresden. Schüler ab Klasse acht können das Ehrenamt ausüben - bis hin zu Senioren.
Ans Aufhören denkt Werner Niehle noch lange nicht. "Entscheidend ist nicht, dass ich 93 bin, sondern dass ich rüstig bin und alles noch schaffe."
Titelfoto: Bildmontage: dpa//Robert Michael/dpa

