Dresden - Manchmal schreibt die Kunstgeschichte überraschende Kapitel wie jetzt in Dresden: Ein seit dem Zweiten Weltkrieg verschollenes Porträt aus der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren (um 1472-1553) ist zurück - klein im Format, groß in Bedeutung.
Das postkartengroße, 12,5 mal 13,5 Zentimeter messende Bild zeigt Friedrich den Weisen (1463-1525), jenen sächsischen Kurfürsten, der als Beschützer Martin Luthers in die Geschichte einging.
Entstanden ist es in einer Zeit, als Cranach als Hofmaler nicht nur fürstliche Aufträge ausführte, sondern auch die Ikonen der Reformation prägte. Nach Friedrichs Tod 1525 war die Nachfrage nach seinem Bildnis enorm - Cranachs Werkstatt produzierte die Porträts serienweise. Das zurückgekehrte Bild ist datiert auf das Jahr 1533.
Der Weg dieses einen Exemplars ist wie ein Spiegel der Zeitläufte: Bereits im 18. Jahrhundert ist es in Dresdner Inventaren verzeichnet, später verschwindet es, taucht wieder auf, wird Teil der Gemäldegalerie und verschwindet - im Krieg, ausgelagert zunächst auf die Albrechtsburg Meißen, zuletzt dokumentiert im Mai 1945 im Kalksteinbruch von Pockau-Lengefeld - erneut. Die Spur verliert sich.
Erst 2024 kommt Bewegung in die Sache. Ein Hinweis aus der Forschung führt zu einem Pariser Auktionshaus, wo das Bild unter den Hammer kommen soll. Eine alte Inventarnummer liefert den Beweis: Die Stadt Dresden ist ursprüngliche Eigentümerin.
Dass das Werk den Weg zurückfindet, verdankt sich nicht nur aufmerksamer Recherche, sondern auch der Bereitschaft der zeitweiligen Eigentümer, der französischen Familie Dreyfus, die es für eine Summe in anonymer Höhe zurückgibt.
18 Werke gingen während des Zweiten Weltkriegs verloren
Gesammelt wurde der Betrag vom Förderverein der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), Museis Saxonias Dresden e.V. und seinen mehr als 2500 Mitgliedern. "Ein lebendiges Zeichen bürgerschaftlichen Engagements", sagt Petra von Crailsheim, Vorstandsvorsitzende.
Die SKD verfügten über "den weltweit größten und bedeutendsten Bestand an Cranach-Werken", so Holger Jacob-Friesen, Direktor der Gemäldegalerie. 170 Werke sind es in der Spitze im 19. Jahrhundert gewesen, durch Verkäufe, Tauschgeschäfte oder Kriegswirren verringert auf heute 67 Arbeiten.
18 Werke gingen während des Zweiten Weltkriegs verloren, davon sieben konnten bislang zurückerworben werden. Insgesamt verbucht die Gemäldegalerie noch um die 500 Werke als Kriegsverluste.
Cranachs Miniatur ist bis 26. Juli Teil der Ausstellung "'Es ist nicht alles Gold das da gleist'. Friedrich der Weise" im Münzkabinett, anschließend wird sie dauerhaft in der Gemäldegalerie ausgestellt.