"Winnetou" trifft Horst Schlämmer: Dieser Dresdner erklärt Kultfigur die Welt
Dresden – Viele kennen ihn als Winnetou, der über die Felsenbühne Rathen reitet. Nun erklärt Michael Berndt-Cananá (46) keinem Geringeren als Horst Schlämmer (Hape Kerkeling, 61), wo eigentlich Dresden liegt. Der Dresdner spielt im neuen Film "Horst Schlämmer sucht das Glück" mit, der am heutigen Donnerstag in den Kinos startet.
"Super" waren die Dreharbeiten mit der TV-Ikone im vorigen Sommer. "Wir hatten, ich glaube, letzten Endes eine Dreiviertelstunde. Die Filmcrew kam aus Hamburg und musste am selben Tag noch nach Berlin", erklärte der 46-Jährige im TAG24-Interview.
"Hape Kerkeling hatte ein straffes Tempo hinter und noch vor sich. Aber er ist ein unglaublich kollegialer Mensch, sehr nett, sympathisch, offen. Für die kurze Zeit war es wirklich schön."
Vor der Kamera zu stehen, ist für Berndt-Cananá so etwas wie eine Exkursion. Sonst gehört er dem Ensemble der Landesbühnen Sachsen an. Deshalb fielen ihm bei der Arbeit am Set auch sofort Unterschiede zum Theater auf: "Der Drehplan ist eng getaktet und damit ist weniger Zeit für Proben. Somit erfolgt die Vorbereitung zu Hause."
Im Theater sei es nicht grundlegend anders "und viel mehr Zeit gibt es auch nicht, doch bist du freier im Schaffungsprozess, denn alles kann sich am Ende nochmals ändern, bevor es zusammengesetzt wird und zur Premiere kommt. Was beim Film im Kasten ist, ist im Kasten."
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Für Winnetou trainiert er das ganze Jahr über
Neben dem "Horst Schlämmer"-Film ist der 46-Jährige im Laufe des Jahres noch in zwei TV-Produktionen zu sehen, weitere Dreharbeiten stehen bevor. Will er nun der Bühne den Rücken kehren?
"Aufgeben würde ich das Theater nicht. Es ist eine unbeständige Arbeit beim Film und am Set. Für mich ist das Theater immer noch meine Basis, zu der ich eine starke Verbindung habe. Und alles andere nehme ich gerne mit, weil es einen beflügeln kann und im kreativen Prozess auch wachsen lässt."
Abwechslungsreich ist seine Arbeit bei den Landesbühnen Sachsen allemal. Die Rolle des Winnetou füllt er jedes Jahr aufs Neue aus und macht ihn zu einem passablen Reiter.
"Weil wir die Möglichkeit einer eigenen Pferdestaffel haben, können wir das ganze Jahr über trainieren und eine Grundlagenausdauer und die betreffende Muskulatur aufbauen."
Das sei ein großes Geschenk. "Es mag zwar oft unspektakulär auf dem Pferd aussehen, aber es sind Fluchttiere, die rennen weg, wenn sie erschrecken. Und da kann es schon passieren, dass es manchmal gefährlich und haarig wird. Deswegen ist es wunderbar, wenn man oben sitzt und dem Pferd auch in solchen Momenten Ruhe geben kann. Weil man ein Stück weit weiß, wie es geht. Ich bin kein Reitprofi, aber ich sitze mittlerweile schon ganz gut im Sattel."
So kam der Dresdner zum Schauspiel
Dass er eine Karriere als Schauspieler beginnen würde, war aber lange nicht abzusehen. "Ich dachte immer, dass jemand kommt, mich abholt und sagt: 'Ich brauche dich jetzt.' Irgendwann ist klar, dass es so nicht läuft. Ich habe dann erst auf dem Bau Häuser abgerissen, Essen ausgefahren, gekellnert und eine Ausbildung gemacht. Am Tag der Prüfung als Mediengestalter habe ich im Radio gehört, dass das Dresdner Schauspielforum öffnet. Das war 2004" - und der Beginn seiner Karriere am Theater.
Bis 2008 absolvierte er seine Schauspielausbildung an der Berliner Schule für Schauspiel. Nach seinem Erstengagement in Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern zog es ihn 2012 zu den Landesbühnen Sachsen.
Dort feiert Michael Berndt-Cananá (46) am 4. April mit "Orson Welles probt Moby Dick" eine weitere Premiere. "Das ist ein wunderbares Stück, weil es die Innenwelt des Theaters bespiegelt. In all seinen Facetten. Die Mittel des Theaters, die Strukturen, die alten Strukturen, die Umgangsformen und Hierarchien."
Titelfoto: Bildmontage: Leonine Studios/Sandra Hoever; Petra Hornig

