Wie Ukrainer in Dresden mit dem Krieg in ihrer Heimat leben

Dresden - Am Dienstag jährte sich der Überfall Russlands auf die Ukraine zum vierten Mal: Um daran zu erinnern, dass der blutige Krieg noch immer tobt, gingen knapp 1000 Demonstranten in Dresden auf die Straße, viele davon aus der Ukraine selbst. Für viele von ihnen scheint eine Rückkehr mittlerweile in weite Ferne gerückt zu sein.

Olha Verbylo (32) dachte, sie würde nach zwei Wochen zurückkehren.  © Petra Hornig

Ob Martin Dulig (51,SPD), Holger Hase (48, FDP), Katja Meier (46, Grüne) oder Martin Modschiedler (58, CDU): Sie alle besuchten schon Kundgebungen zu Jahrestagen des Kriegsbeginns. Auch am Dienstag verurteilten sie das Morden, die Verbrechen und die Diskussionen über "Deals", wo es doch um menschliche Schicksale geht.

Wie das Schicksal von Olha Verbylo (32): "Ich bin am 12. März vor vier Jahren gekommen", sagt sie zu TAG24. "Ich war schwanger."

Eigentlich wollte sie lediglich zur sicheren Entbindung für zwei Wochen bleiben, hatte nur einen Rucksack dabei. Doch in der westukrainischen Heimat wurde es nicht sicherer: "Ich habe immer gesagt, noch ein halbes Jahr", sagt sie. "Aber es gab Blackouts und blieb gefährlich."

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Mittlerweile sei es hier heimisch geworden, sie sucht Arbeit, hat aber ihre Heimat nicht vergessen: "Der Krieg ist nicht zu Ende", so Verbylo. "Jede Woche muss ich Kontakte aus meinem Handy löschen, da Freunde gestorben sind. Die Ukraine braucht Unterstützung!"

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Knapp 1000 Demonstranten sammelten sich am Dienstag auf dem Neumarkt.  © Petra Hornig
Stojan Andrian (19) hofft auf den deutschen Pass.  © Petra Hornig

1000 Menschen demonstrierten in Dresden für Solidarität und im Gedenken an die Opfer

Akseniia Huzenko (43) sah die Panzer und musste sich im Keller verstecken.  © Petra Hornig

Auch Stojan Andrian (19) fühlt sich mittlerweile als Dresdner: "Wir sind im Februar 2022 aus Lwiw nach Deutschland gekommen", sagt er. Da war er erst 15. Mittlerweile besucht er hier die Berufsschule, will bald eine Ausbildung beginnen. "In zwei bis drei Jahren habe ich dann bestimmt einen deutschen Pass", hofft er. Auch Andrian erfährt regelmäßig von gefallenen Freunden.

Sehr schnell war der Krieg bei Akseniia Huzenko (43) in Sumy, kurz hinter der russischen Grenze: "Am ersten Tag waren die russischen Panzer in unserer Stadt", sagt sie. "Mein Mann sagte nur: 'Es ist Krieg'." Die Stadt zu verlassen, war zuerst nicht möglich, da sie umzingelt war.

Später floh sie mit den damals drei und neun Jahre alten Kinder zu Bekannten: "Wir versteckten uns jeden Tag im Keller", sagt sie. "Aber wenn eine Bombe trifft, hat man keine Chance. Schließlich floh sie doch mit den Kindern nach Deutschland, baute sich hier ein neues Leben auf, verlor aber vor einem halben Jahr den Job: "Mein Management-Beruf wird hier nicht anerkannt", sagt sie. "Aber ich hatte erst heute wieder ein Vorstellungsgespräch."

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Eine Rückkehr in die Heimat kann sie sich nicht vorstellen: "Mit dieser Erfahrung würde ich gerne hier bleiben" sagt sie. "Ich habe große Angst, Sumy ist nur fünf Stunden von der Grenze zu Russland entfernt."

Alle drei schlossen sich nach den Politikerreden und Musikbeiträgen einem Demonstrationszug durch die Innenstadt an. Zurück auf dem Neumarkt endete die Kundgebung mit der Hymne zwischen Tränen und der Hoffnung auf Frieden.

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