Das "Auge Dresdens" wird 90: Bei seiner Ausstellung gibt's ordentlich was auf die Linse

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Dresden - Ernst Hirsch hat das visuelle Gedächtnis der Stadt Dresden geprägt wie kaum ein anderer; wer über Ernst Hirsch redet, spricht auch über das "Auge Dresdens". Am 13. Juli wird er 90 Jahre alt. Zu diesem Anlass widmen die Technischen Sammlungen dem Lebenswerk des Kameramanns, Regisseurs und Filmesammlers die Sonderausstellung "UNIVERSUM Dresden. Der Filmemacher und Filmsammler Ernst Hirsch".

Enthusiastisch erklärt Ernst Hirsch (89) seinen ersten gekauften Filmprojektor.
Enthusiastisch erklärt Ernst Hirsch (89) seinen ersten gekauften Filmprojektor.  © Thomas Türpe

Den sperrig wirkenden Ausstellungs-Titel habe man gewählt, weil Dresden das Universum ist, in dem sich Ernst Hirsch meistens bewegt hat, erklärt Museumsdirektor Roland Schwarz.

Außerdem war "Universum" früher häufig der Name vieler Kinos. Der große Glücksfall sei gewesen, dass Hirsch nicht nur gesammelt, sondern auch selbst Filme gemacht hat, sagt Schwarz.

Als "großes Glück" bezeichnet Ernst Hirsch selbst den Umstand, in Dresden geboren worden zu sein. Er hatte sich bei Zeiss Ikon beworben, hervorgegangen aus den Ernemann-Werken, später Pentacon benannt.

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Erst war er Glasbläser, dann wurde eine Ausbildungsstelle in der Feinoptik frei. Darüber fand er den Weg zur Kamera, zur Fotografie und zum Film.

In mehr als sieben Jahrzehnten trug Hirsch einen einzigartigen Schatz an Dokumentarfilmen zusammen - Amateur- und Werbefilme der 20er- und 30er-Jahre sowie Nachrichten- und Dokumentarfilme, die er ab 1952 auch selbst gedreht hat, einige Jahre als Nachrichtenreporter für die "Aktuelle Kamera".

Die Firma Ernemann war der Ursprung: Ernst Hirsch mit seiner Frau und langjährigen Assistentin Cornelia (80) sowie Sohn Konrad (50), der als Filmemacher das Familienerbe weiterträgt.
Die Firma Ernemann war der Ursprung: Ernst Hirsch mit seiner Frau und langjährigen Assistentin Cornelia (80) sowie Sohn Konrad (50), der als Filmemacher das Familienerbe weiterträgt.  © Thomas Türpe
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Ernst Hirsch und sein Lebenswerk: "Es kann keinen schöneren Platz dafür geben"

Ernst Hirsch bei Dreharbeiten in der Dresdner Altstadt, 1956.
Ernst Hirsch bei Dreharbeiten in der Dresdner Altstadt, 1956.  © Dirk Radig, © Ernst Hirsch

Immer stärker wurde dabei sein Interesse an Kameras und der Film-Technik, über die Hirsch auch heute noch leidenschaftlich schwärmen kann. Etwa über seinen ersten Filmprojektor, den er bei der Dresdner Firma Kinotechnik kaufte (für 600 Mark). Die Maschine steht, bestens erhalten, in der Ausstellung.

"Es kann keinen schöneren Platz dafür geben", sagt Hirsch. Noch heute rührt ihn das in den Fußboden der Museumsetage eingelassene Malteserkreuz (ein Getriebe für die Filmprojektion und früheres Logo der Ernemann AG). "Darüber bin ich schon als 14-jähriger Lehrling des Kameraherstellers voller Ehrfurcht geschritten", erinnert sich Hirsch und spricht von einem "fast heiligen Ort".

Dass hier nun seine Filme und Kameras ausgestellt werden, empfinde er als Vollendung seines Lebenswerkes.

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Dies ist an mehr als 20 Filmstationen zu erleben.

Die Technischen Sammlungen zeigen bisher unveröffentlichte Interviews

An vielen Media-Stationen werden Hirschs gesammelte Filme erklärt.
An vielen Media-Stationen werden Hirschs gesammelte Filme erklärt.  © Thomas Türpe

Viele Kameras sind ausgestellt (etwa in der Abteilung "Sammlerglück"), dazu mannigfaltige Filme über die Dresdner Stadtgeschichte, von 1903 bis in die 80er-Jahre und darüber hinaus. Dazu sind private Aufnahmen zu sehen, als "Kino des Alltäglichen".

Man erlebt die Stadt in Bewegung, frühere Großstadtmenschen. Aber auch Dresden als Kunststadt, als Ort der Kultur. Der Umfang und die Vielfalt mache die Sammlung so besonders, sagt Ausstellungskuratorin Luise Eberspächer: "Man lernt so viel über den Alltag Dresdens."

2025 hatte Ernst Hirsch seine Film- und Gerätesammlungen an die Technischen Sammlungen und die SLUB übergeben. An der Uni-Bibliothek widmet man sich im Rahmen des Landesprogramms "SAVE - Sicherung des audio-visuellen Erbes in Sachsen" dem Erhalt des Vorlasses.

Rund 400 Filmrollen hatte Ernst Hirsch vor anderthalb Jahren der SLUB überlassen, etwa 50 Prozent sind bislang digitalisiert. In der Ausstellung sind davon etwa vier Stunden Film zu sehen. Unter anderem auch Aufnahmen von der Vertreibung Dresdner Juden ins Lager Hellerberg ab 1942. Dem gegenüber stehen Interviews, die Hirsch mit seiner Frau Cornelia, dem Regisseur Ulrich Teschner und der Historikerin Ingrid Silverman unter dem Titel "Erinnerungen von Überlebenden" 1997 mit ehemaligen Dresdnern in Tel Aviv führte.

Hirsch heute: "Es ist eine ganz andere Facette der Dresdner Stadtgeschichte." Diese Interviews werden in der Ausstellung erstmals überhaupt gezeigt.

Die Schau öffnet am Freitagabend, 19 Uhr, und läuft bis zum 25. Oktober.

Titelfoto: Bildmontage: Dirk Radig, © Ernst Hirsch, Thomas Türpe

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