Dresden - Das 7:1 der DFB-Elf gegen Curaçao weckte Sonntag kurz Erinnerungen an das Sommermärchen von 2014. Doch vom großen WM-Fieber sind viele noch weit entfernt. Im Kaufpark Dresden setzt man trotzdem auf die Magie des Turniers und zeigt alle 104 Spiele – auch 3-Uhr-Spiele sind keine Ausnahme. Doch lohnt sich der Aufwand?
Für Kaufpark-Manager Stefan Dorster (51) ist die 70 Quadratmeter große Leinwand Grund genug, das Experiment Public Viewing zu wagen. "Wir denken, dass mit der voranschreitenden WM das Interesse für die Spiele noch stärker wird."
Damit kein Fan vor einer dunklen Leinwand steht, können Zuschauer ihr Kommen vorab per Klick auf der Website ankündigen. Ab zehn Anmeldungen läuft die Übertragung garantiert. "Wenn trotz der Anmeldungen doch nur einer da sitzt und in der zweiten Halbzeit noch Leute dazukommen, wäre es ja unfair, das Spiel einfach auszumachen", betont Kaufpark-Manager Dorster.
Gerade bei den Nachtspielen seien bisher etwa zwölf oder mehr Anmeldungen eingegangen und Interessierte dann doch erst zur zweiten Halbzeit aufgeschlagen.
Der Unterschied zwischen Nachtprogramm und Primetime ist trotzdem gewaltig: Beim 3-Uhr-Spiel Haiti-Schottland herrschte gähnende Leere.
Ein einziger Gast in der Nacht
Mit Dirk Schmidt (28) kam ein einziger Besucher spontan vorbei: "So abstrus, dass das Spiel nachts ist und hier übertragen wird. Eigentlich interessiert es mich überhaupt nicht, aber ich mag Abstruses." Dass die Partie tatsächlich mitten in der Nacht im Kaufpark läuft, habe ihn dann doch überrascht.
Ganz anders freilich beim Deutschland-Spiel. Überall in der City waren die Public-Viewing-Plätze gut belegt, rappelvoll etwa in der Ballsportarena. Und auch im Kaufpark war die Tribüne bis auf den letzten der 300 Plätze gefüllt.
"Die Stimmung war super und sehr friedlich", freut sich Dorster. Damit das so bleibt, setze man auf zusätzliches Sicherheitspersonal. Wie viele Ordner im Einsatz sind, ist allerdings "top secret".
Und die Stromkosten? "Die Leinwand ist erst zwei Jahre alt und mit neuester Technologie sehr sparsam. Also kein Energiefresser." Zusätzlich wird das Licht über der Tribüne gedimmt. "Das spart Energie und sorgt für Wohnzimmer-Atmosphäre."