Dresden - Zwischen Hoffen und Bangen: Im Kampf um die Zukunft des Lingnerschlosses bahnt sich eine Lösung an. So soll das Erbe des "Odol"-Königs in private Hände verkauft werden. Befürchtungen, das bei Einheimischen und Touristen beliebte Anwesen könnte damit nicht mehr wie gewohnt öffentlich zugänglich bleiben, weist der Insolvenzverwalter zurück.
Rückblick: Der Förderverein, der das Schloss seit 2003 über Erbbaurecht betrieben und mit viel Herzblut saniert hatte, war Ende 2023 pleitegegangen.
Seitdem streitet sich die Stadt mit dem Insolvenzverwalter, der auch die Gläubiger bedienen muss, über die Zukunft des Areals, zuletzt vor dem Oberlandesgericht. Letztlich geht es darum, ob und wie viel Geld die Stadt auf den Tisch legen muss, um ihr Schloss (bzw. das Erbbaurecht) zurückzukaufen.
Erst vor wenigen Wochen hatte Baubürgermeister Stephan Kühn (46, Grüne) mit dem neu gegründeten und gesellschaftlich breit aufgestellten Förderverein "Dresdner Elbschlösser" auf Schloss Albrechtsberg öffentlichkeitswirksam ein neues Zukunftskonzept präsentiert: Die beiden Elbschlösser sollen in städtischer Hand bleiben und betrieben sowie gemeinsam weiterentwickelt werden, der Verein sollte vor allem Spendengelder anwerben.
Doch jetzt die Wende: OB Dirk Hilbert (54, FDP), der sich auch um Dresdens klamme Kassen kümmert, bevorzugt nach TAG24-Informationen einen Verkauf an Privatinvestoren.
Demnach bieten Oliver Kreider, der sogenannte "Sonnenkönig von Radebeul", sowie Unternehmer Thomas Bohn zusammen 1,65 Millionen Euro, um das noch gut 40 Jahre laufende Erbbaurecht zu übernehmen.
Lingnerschloss nicht mehr oder nur noch eingeschränkt zugänglich?
Was zunächst wie eine Rettung klingt, macht aber auch verschiedene Personen skeptisch. Denn Kreider hatte vor Jahren in Radebeul bereits die bekannte Friedensburg übernommen und diese - entgegen dem Wunsch der Kommune, die sich dort wie einst wenigstens einen Gastrobetrieb gewünscht hatte - dauerhaft für die Öffentlichkeit geschlossen.
Darum gibt es Befürchtungen, dass künftig auch das Lingnerschloss nicht mehr oder nur noch eingeschränkt zugänglich bleibt. Zwar war es Lingners letzter Wille, dass der Park der gesamten Bevölkerung zugänglich bleibt und im Hauptgebäude oder "eventuell auch in dem Nebengebäude" ein Restaurant oder Café mit billigen Preisen eingerichtet wird.
Doch ist das Testament eben im Zweifel Auslegungssache und der Zugang zum Schloss nicht garantiert.
"Der potenzielle Investor will vom Insolvenzverwalter das Erbbaurecht übernehmen und anschließend den Betrieb aller Einrichtungen des Schlosses einschließlich der Gastronomie übernehmen. Dabei sollen die Einrichtungen des Schlosses in vollem Umfang wie bisher der Öffentlichkeit zugänglich bleiben", ließ Insolvenzverwalter Lucas Flöther (51) am Nachmittag mitteilen.
Die Übertragung auf den neuen Betreiber solle bereits zu Anfang September erfolgen.
Der Stadtrat muss dieser Lösung allerdings noch zustimmen.