Findet der Mahnmal-Streit am Altmarkt jetzt ein Ende?

Dresden - Der 13. Februar naht und damit auch Gedenkveranstaltungen, darunter am Altmarkt. Doch wie geht es an der umstrittenen Erinnerungsstätte überhaupt weiter, nachdem das Rathaus vor zwei Jahren die Inschrift des steinernen Mahnmals weggeflext hatte? Der Stadtrat gab nach emotionaler Diskussion den Auftrag, den Gedenkort neu zu gestalten - jetzt gibt es ein Konzept mit zwei neuen Orten.

Das Erinnern könnte künftig am Denkmal der Trümmerfrau im Vordergrund stehen, schlägt die AG Altmarkt vor. Die Gruppe besteht aus Justus Ulbricht (71, v.l.), Holger Hase (49, FDP), Mathias Herrmann (38) und Viktor Vincze (48). Es fehlen Susanne Dagen (54, Freie Wähler) und Mario Schmidt (49, CDU).  © Thomas Türpe

Um ein würdiges Gedenken zu ermöglichen, bildete der beauftragte Beirat der Erinnerungskulturen (Nachfolger der AG 13. Februar) 2025 die Arbeitsgruppe Altmarkt.

Die sechs Mitglieder (Politiker, Historiker, Bürger) trafen sich fünfmal, präsentierten das Ergebnis von "einem Jahr Arbeit und intensiven Diskussionen".

Ausgangspunkt der Überlegungen: "Es braucht einen würdigen Gedenkort in der Innenstadt, und der Altmarkt ist es eigentlich nicht", so Historiker Justus Ulbricht (71, Verein "Denk Mal Fort"). Denn dort finden oft kommerzielle Veranstaltungen statt (aktuell das Winterfest).

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"An die hier verbrannten Leichen zu erinnern, wenn nebenan Bratwürste gegrillt werden, ist nicht angebracht", sagt Viktor Vincze (48) vom Integrations- und Ausländerbeirat.

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Wissen: Neben den Leichenverbrennungen könnte am Altmarkt künftig auch breiter über die Geschichte des ältesten Platzes der Stadt informiert werden.  © Thomas Türpe
6865 Opfer der Luftangriffe wurden hier verbrannt, woran diese Inschrift im Boden erinnert.  © Thomas Türpe

Drei Orte für Wissen, Gedenken und Erinnerung

Hilfskommandos bargen nach den Bombennächten die Toten und brachten sie zu den Sammelplätzen wie dem Altmarkt.  © picture-alliance/akg-images

Darum will die AG verschiedene Formen des Erinnerns schwerpunktmäßig trennen und drei Orte für Wissen, Gedenken und Erinnerung schaffen.

Der Altmarkt soll künftig nicht mehr nur an Tote erinnern, so Ulbricht. Dresdens ältester (1370 erwähnt) und wichtigster Platz, soll auch seine Geschichte als Marktzentrum des Mittelalters und seiner Feste erzählen.

Für das Gedenken an die Opfer der Bombennächte soll künftig insbesondere der Vorplatz des Landhauses, in dem sich das Stadtmuseum als ein Gedächtnis der Stadt befindet, dienen.

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Es soll ein neuer Ort des "Innehaltens" werden. Vornehmlich fürs Erinnern sieht die AG den Vorplatz am Neuen Rathaus mit der Trümmerfrau vor. Ein Symbol für Zerstörung, Wiederaufbau und politische Realität der Stadt.

Gedenken: Am Vorplatz des Landhauses an der Wilsdruffer Straße könnte ein Gedenk-Ort eingerichtet werden.  © Thomas Türpe

Im Kern solle die Erinnerungskultur breiter aufgestellt oder "renoviert" werden und so etwa auch jüngere Menschen und Migranten ansprechen, so Ulbricht. Ob mit Stelen, Infotafeln oder bestimmten Veranstaltungen an den drei Orten informiert werden soll, kann später noch entschieden werden.

Die Vorschläge sollen jetzt im Beirat weiterdiskutiert werden, letztlich muss der Stadtrat entscheiden. Bis es so weit ist, werden noch Jahre vergehen.

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Inschrift wurde schon mal weggeflext

Für negative Schlagzeilen und breite Empörung sorgte die Verwaltung im Januar 2024. Ein Mann hatte mit einer Flex am helllichten Tag die Inschrift für die Opfer der Bombennächte (bis 25.000 Menschen) und die Erinnerung an den Auslöser des Krieges am Sandstein-Mahnmal entfernt.

Erst Tage später konnte das Rathaus Verantwortung dafür übernehmen und erklärte, die Inschrift sei im Zuge planmäßiger Bauarbeiten entfernt worden - später räumte OB Dirk Hilbert (54, FDP) ein, man habe "aus kommunikativer Sicht äußerst unglücklich agiert".

Der beispiellose Vorgang löste eine intensiv geführte Debatte aus, die bis heute anhält. Letztlich entschied der Stadtrat, dass der Gedenkort umgestaltet werden soll.

Da war die steinerne Inschrift noch da: So gedachten Menschen am Altmarkt-Mahnmal vor 2024.  © imago images/Sylvio Dittrich

Die weggeflexte Inschrift lautete: "Dies ist ein Ort der Mahnung. Des Erinnerns und Gedenkens. Hier wurden die Leichname Tausender Opfer der Luftangriffe des 13. und 14. Februar 1945 verbrannt. Damals kehrte der Schrecken des Krieges, von Deutschland aus in alle Welt getragen, auch in unsere Stadt zurück."

Menschenkette und Demos geplant

Neben traditionellen Gedenkveranstaltungen und Formaten am 13. Februar wie am Altmarkt (9 Uhr, Erinnerungswerkstatt "Denk mal Fort"), Heidefriedhof (13 Uhr), dem stillen Gedenken vor der Frauenkirche (ab 16 Uhr) oder auch dem "Dresdner Gedenkweg" (18.15 Uhr an der Gedenkstele für die zerstörte Alte Synagoge) und natürlich der Menschenkette (schließt sich 18 Uhr in der Innenstadt) gibt es auch Demonstrationen und Kundgebungen verschiedener politischer Lager.

Auch dieses Jahr soll es eine Menschenkette geben.  © DPA

Neonazis mobilisieren etwa für eine mehrtägige Mahnwache am Dr.-Külz-Ring, während verschiedene Gruppen wie das linke Bündnis "Dresden WiEdersetzen" zu Gegendemonstrationen aufrufen.

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