Frau im Großen Garten erschlagen: Warum wurde der Todesfall verschwiegen?
Dresden - Äste und sogar Bäume stürzen im Großen Garten auf Parkbesucher. Doch die Schlösserland-Verantwortlichen informierten die Öffentlichkeit noch nicht mal über den tragischen Todesfall der obdachlosen Französin (†55), die im Juni vergangenen Jahres von einer Buche erschlagen wurde. Und selbst jetzt – elf Monate später – geht Schlösserland-Geschäftsführer Christian Striefler (64) lieber in Deckung.
Weder die Schlösserverwaltung des Freistaats noch die aktuell ermittelnde Staatsanwaltschaft und auch nicht die Polizei hatten den (nicht natürlichen) Todesfall seinerzeit öffentlich gemacht. Monatelang schwiegen die Behörden.
Dabei liefen im Hintergrund intensive Arbeiten: Allein von Oktober bis Januar wurden 1500 Baumpflegemaßnahmen durchgeführt. Sachsens Finanzminister Christian Piwarz (50, CDU) hatte dafür sogar noch 400.000 Euro extra springen lassen, das auch mit der Gewährleistung für die Sicherheit der Besucher begründet.
Kein Wort jedoch zu der Toten oder den zwei weiteren Opfern, die sich nach dem tödlichen Unglück noch durch Astabbruch (im August) leicht verletzten.
Erst eine Grünen-Anfrage zu den Folgen des Klimawandels vom März an die Staatsregierung brachte überhaupt diese drei "Personenschäden" ans Tageslicht.
"Es ist bedauerlich, dass die Sicherheitsmängel nur durch unsere Anfrage offenbar wurden", kritisiert der Landtagsabgeordnete Thomas Löser (53, Grüne).
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Schlösserland-Geschäftsführer Christian Striefler schweigt zu dem Todesfall
Aber selbst danach verweigerte der Schlösserland-Boss wochenlang jedwede Auskunft zu dem tragischen Fall und verriet nicht einmal, dass ein Mensch ums Leben gekommen war.
Erst nach der Androhung presserechtlicher Schritte teilte Schlösserland zumindest das Datum des Vorfalls mit. Und erst damit gelang es schließlich der Dresdner Staatsanwaltschaft, Details zu diesem "Personenschaden" mitzuteilen.
TAG24 bat Striefler um eine Stellungnahme, warum man den Todesfall monatelang verschwieg.
Doch der Schlösserland-Chef selbst schweigt, lässt nur über eine Sprecherin lapidar ausrichten: "Die SBG gGmbH konnte sich wegen der laufenden staatsanwaltlichen Ermittlungen nicht zu dem Todesfall im Großen Garten äußern. Eine Information an die Öffentlichkeit geht in solchen Fällen ausschließlich von den ermittelnden Behörden aus. Das wiederum hängt sowohl mit dem laufenden Verfahren, als auch mit dem Persönlichkeitsschutz der Beteiligten zusammen."
Laut Staatsanwaltschaft würden die Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen Unbekannt noch "einige Zeit in Anspruch nehmen".
Titelfoto: Bildmontage: Holm Helis / Thomas Türpe

