Größer als der Fernsehturm: Kampf gegen Windmühlen in der Dresdner Heide

Dresden - Windmühlen in der Dresdner Heide, die den Fernsehturm überragen: Das sehen die Pläne des Regionalen Planungsverbands vor. Fraktion Team Zastrow hat eine Petition dagegen gestartet, obwohl zwei Stadtratsbeschlüsse Windparks in Dresden ohnehin ablehnten. Doch nicht allen missfallen die Pläne.

Die Stadträte Robert Reschke (40, l.) und Holger Zastrow (57) vom Team Zastrow.  © Steffen Füssel

Unterhalb der Radeberger Landstraße ragen zarte Birken zwischen jungen Eichen hervor. "Tausende Setzlinge wurden in den letzten Jahren gesetzt", so Stadtrat Holger Zastrow (57), der in nur vier Kilometern Entfernung die Hofewiese betreibt.

Nachdem sich der Borkenkäfer durch die monotone Fichtenkultur fraß, forstete Sachsenforst emsig auf. Doch der Regionale Planungsverband Oberes Elbtal hat anderes vor.

Auf gut 80 Hektar sollen hier ebenso Windräder errichtet werden, wie östlich des Triebenbergs und am Helmholtz-Zentrum Rossendorf.

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"Das Bundesgesetz führt dazu, dass man die beiden Stadtratsbeschlüsse nicht mehr ernst nehmen möchte", schimpft Zastrow. Für ihn ein "Problem für die Demokratie, wenn am Ende von einer Mehrheit beschlossene Dinge nicht respektiert werden."

Seine gleichnamige Partei hat nun eine Petition ("Heimat schützen!") ins Leben gerufen, über 7000 Menschen unterschrieben in sieben Tagen.

Mit dem Ziel, das verantwortliche Bundesgesetz zu ändern: Bis nächstes Jahr werden 1,3 Prozent, bis 2032 sogar 2 Prozent der Landesfläche für Windräder herhalten müssen.

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Ein Wald-Windrad im Bau. Unten zu sehen: Viel Wald muss für Wirtschaftswege gerodet werden.  © imago/imagebroker

Windräder sind laut Bundesgesetz von "überragendem öffentlichen Interesse"

Grünen-Stadtrat Wolfgang Deppe (70)  © Steffen Füssel

"Die viertgrößte Stadt Deutschlands kann sich bei den Windplanungen nicht rausnehmen", sagt Grünen-Stadtrat Wolfgang Deppe (70) zu TAG24. Die Pläne seien aber kein "Baugebot": Auch Deppe wirbt darum, die Mühlen an "weniger vulnerablen Stellen" zu errichten wie etwa am Triebenberg.

"Die Landeshauptstadt muss sich ihrer Verantwortung stellen", sagt auch Martin Schulte-Wissermann. Denn seine PVP-Fraktion hatte beim Infrastrukturministerium in Erfahrung gebracht, dass die Stadtratsbeschlüsse zwar der Stadt verbieten, Windräder zu bauen.

Anträge von Dritten aber "sind grundsätzlich zu genehmigen, wenn sie den rechtlichen Anforderungen genügen", so die Ministerin im Schreiben.

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Genau das ist das Problem: Die Pläne kollidieren mit "nahezu allen Schutzgütern". Doch laut Bundesgesetz sind Windräder von "überragendem öffentlichen Interesse".

Ob der Planungsverband vom überragenden Desinteresse der Öffentlichkeit Wind bekommen hat, wird sich Ende März zeigen, wenn die finalen Pläne veröffentlicht werden.

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