Tiefe Risse im Mauerwerk: Große Sorge um die Christuskirche
Dresden - Tiefe Risse durchziehen die Mauern der Christuskirche in Altstrehlen. Das denkmalgeschützte Gotteshaus gleicht gesprungenem Porzellan. Schon vergangenes Jahr war Anwohnern angst und bange. Sie stoßen immer noch auf taube Ohren.
Andreas Geißler (70) und Grit Wiening (50) von der Interessengemeinschaft (IG) "Strehlen ist schön - Werte erhalten" wohnen beide nahe der Kirche, beobachten die Risse im Mauerwerk seit Jahren - einer zieht sich durch eine tragende Säule.
"Trotzdem wird das Gebäude nicht gesichert. Die Stadt hält außerdem daran fest, dass Lkw an der Kirche vorbeifahren müssen, dabei verstärkt der Lasterverkehr das Problem", klagt Geißler, der lange als vereidigter Bausachverständiger tätig war.
Ein Gutachten des Erdbaulaboratoriums Dresden bestätigt: Der Baugrund sei "sehr erschütterungsempfindlich". Eine Tonnagebegrenzung könne Statikprobleme "zeitlich zumindest verzögern".
Eine solche Begrenzung fordert die IG und wurde deshalb schon bei der Stadtverwaltung vorstellig. Voriges Jahr bat auch der Stadtbezirksbeirat darum, den Lasterverkehr um die Christuskirche einzuschränken.
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Die Stadt stellt sich quer
Die Stadt stellt sich nach wie vor quer! Laut Verwaltung fehlen "rechtliche Voraussetzungen" für eine Tonnagebegrenzung. Unter Berufung auf ein anderes, von der Gemeinde beauftragtes Gutachten verneint sie auch, dass es einen Zusammenhang mit Lastern und Rissen im Gemäuer geben könnte.
Die Landeskirche verweist auf ein bis Juni laufendes Rissmonitoring, betont: "Alle Rissbewegungen befinden sich im Zehntel-Millimeterbereich." Die Standsicherheit sei "derzeit nicht gefährdet".
Grit Wiening ungläubig: "Man weiß ja, was passieren kann in Dresden. Der Einsturz der Carolabrücke hat uns wachgerüttelt." Auch der geplante Verlauf der Campuslinie macht der IG Sorge - der Wasaplatz könnte verkehrsberuhigt werden. "Das würde noch mehr Verkehr nach Altstrehlen umleiten." Hier verspricht das Rathaus, dem Stadtrat vor der Sommerpause "verschiedene Varianten" zur Entscheidung vorzulegen.
Doch die Anwohner fordern nach wie vor auch einen Laster-Stopp. Geißler frustriert: "Dafür bräuchte man nur Schilder aufstellen. Wir vertreten über 70 Strehlener, unsere Interessen werden einfach ignoriert."
Titelfoto: Norbert Neumann
