Knöllchen-Revolution? Dresden prüft Einsatz von Scan-Autos gegen Falschparker
Dresden - Macht Dresden die Knöllchenverteiler überflüssig? OB Dirk Hilbert (54, FDP) wurde beauftragt, den Einsatz moderner Scan-Autos im Stadtgebiet zu prüfen. So könnten deutlich mehr Falschparker erwischt werden als bislang.
Die Spezialfahrzeuge sind mit Sensoren ausgestattet, fotografieren parkende Autos und erfassen die Kennzeichen. Die Daten werden mit Parkzonen und Parktickets abgeglichen - deutlich schneller, als Politessen es könnten. Die Rede ist von 1000 statt 50 Kontrollen pro Stunde.
Bislang wurden die Autos nur in Baden-Württemberg ausprobiert. Bald auch bei uns? Im Stadtbezirksbeirat Altstadt wurde jetzt ein Grünen-Vorschlag beschlossen, demnach OB Hilbert "eine Prüfung der Beschaffung von Scan-Fahrzeugen zur effektiveren Parkraumkontrolle" vornehmen soll.
Tenor: Die Technik sei eine "Chance", um Falschparkern effizient und wirtschaftlich auf die Schliche zu kommen. Beirat Niclas Rentschler (26, Grüne) betont: "Wir wollen Autofahrer nicht gängeln. Es geht darum, Personalkosten einzusparen."
Aktuell sind 23 Stadt-Mitarbeiter nur fürs Knöllchenverteilen zuständig, teilt die Verwaltung mit. Die Personalkosten (rund 1,2 Millionen Euro im Jahr) sind geringer als die Einnahmen.
Denn allein 2025 verdiente Dresden 4,4 Millionen Euro mit Strafzetteln. Mit Scan-Autos könnte sich das vervielfachen!
Jeden Morgen die wichtigsten Nachrichten direkt in dein Postfach.
- Lokale Nachrichten aus Dresden & Umgebung
- Exklusive Hintergrundberichte
- Jederzeit abbestellbar
Alter Bekannter führte Scan-Fahrzeuge bereits in Heidelberg ein
Rechtlich dürfte ihr Einsatz bald möglich sein. Denn Ende März beschloss der Bundestag eine Änderung des Straßenverkehrsgesetzes, die auch auf die Ermöglichung digitaler Parkraumkontrollen abzielt. Stimmt der Bundesrat zu, könnte das Gesetz zur Jahresmitte in Kraft treten.
Laut Rathaus gibt es in Dresden noch "keine konkreten Entscheidungen oder Festlegungen zur Einführung entsprechender Systeme", man beobachte die Entwicklungen aber "aufmerksam".
Klar ist: Den guten alten Parkschein, den man einfach aus dem Automaten zieht und aufs Armaturenbrett legt, erfasst das Knöllchen-Auto nicht. Hier wäre wohl auch eine Umrüstung erforderlich. Digital gespeicherte Anwohnerparkausweise werden dagegen berücksichtigt.
Etwa in Heidelberg sind die Autos im Rahmen eines Pilotprojekts des Verkehrsministeriums schon zum Einsatz gekommen: Es sei "sehr deutlich" geworden, "dass das Scan-Fahrzeug technisch zuverlässig funktioniert und datenschutzkonform eingesetzt werden kann", jubelt Heidelbergs Mobilitätsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (49, Grüne).
Klingelt da was?
Von 2015 bis 2020 war er Dresdner Verkehrsbürgermeister! Freut er sich, seine frühere Wirkungsstätte zu inspirieren? Der Vorschlag aus dem Stadtbezirksbeirat verweist sogar explizit auf Heidelberg. Auf TAG24-Anfrage äußerte er sich zunächst nicht.
Titelfoto: Bildmontage: VM/Leif Piechowski, IMAGO/Sven Ellger

