Dresden - Diesmal am Nachmittag: Wie fast jeden letzten Donnerstag im Monat blockierten die Aktivisten von "Extinction Rebellion" wieder eine Kreuzung in Dresden. Doch diesmal traf es mit der Kreuzung Budapester/Chemnitzer/Nürnberger Straße den nachmittäglichen Berufsverkehr vorm langen Wochenende. Der Ort war nicht zufällig gewählt.
Über die Nossener Brücke ist das Heizkraftwerk direkt zu sehen, ein Gaskraftwerk. Die 13 Blockierer fordern vom Betreiber SachsenEnergie, dass dieser sein Dekarbonisierungskonzept veröffentlicht: "Ein kommunales Unternehmen verweigert die Transparenz, die beim Klimaschutz allen helfen würde", schimpft Blockierer Christian Bläul (44).
"Klimaschutz ist teuer, aber kein Klimaschutz ist teurer. Deshalb muss das Dekarbonisierungskonzept der SachsenEnergie öffentlich prüfbar werden."
So betraten die Aktivisten um 16.15 Uhr die Budapester Straße und blockierten sie angezeigt und damit legal für sieben Minuten.
Das wiederholten sie unter vereinzelten Beschimpfungen, Sympathiebekundungen und auch sachlichen Diskussionen entgegen dem Uhrzeigersinn einmal rund um die Kreuzung, was jeweils Staus zur Folge hatte. Um 16.46 Uhr war die Kundgebung beendet, die Kreuzung wieder frei.
SachsenEnergie weist die Vorwürfe von sich
Der Energieversorger will die Vorwürfe so nicht stehen lassen: "Wir möchten drauf hinweisen, dass seit Erstellung des Dekarbonisierungskonzepts 2023 eine Kurzfassung des Strategiepapiers mit allen Maßnahmenpaketen zur Dekarbonisierung im Internet öffentlich zugänglich ist", sagt SachsenEnergie-Sprecherin Nora Weinhold (42).
"Dieses wird permanent fortgeschrieben. Nach Bestätigung der derzeitigen Aktualisierung im Aufsichtsrat wird auch die Veröffentlichung aktualisiert."
Die Stadträte könnten das Konzept komplett einsehen, Markt- und Sicherheitsgründe sprächen aber gegen eine komplette Veröffentlichung. "Wir dekarbonisieren, so schnell wir können", so Weinhold.
"Bei der Erreichung der Ziele bewegen wir uns aber immer im realen Spannungsfeld von Genehmigungsverfahren, Umweltauflagen, physikalischen Grenzen sowie Finanzierbarkeit und Bezahlbarkeit."
Die Polizei sicherte den Protest ab, Grund zum Eingreifen gab es keinen. Ein Streifenwagen, der auf dem Weg durch die Stadt war, wartete selbst geduldig die sieben Minuten in der Budapester Straße ab.