Hand zerfetzt! Felix (14) ist das erste Bölleropfer des Jahres

Dresden - Die Schattenseiten des Feuerzaubers: Hielten sich Explosionsverletzungen in den vergangenen Pandemie-Jahren in Grenzen, befürchten Mediziner für diesen Jahreswechsel das Schlimmste. Auch das Landeskriminalamt (LKA) warnt vor der Gefahr durch Pyrotechnik.

Schüler Felix (14) verletzte sich schon Anfang Dezember schwer an einem Böller.
Schüler Felix (14) verletzte sich schon Anfang Dezember schwer an einem Böller.  © Steffen Füssel

Ob und wie Felix (14) wieder Rad fahren und schrauben kann, steht noch nicht fest: Anfang Dezember zerfetzte ihm ein Böller die linke Hand.

Mehr als zehn Stunden kämpfte das OP-Team des Dresdner Uniklinikums kurz darauf um seine Hand: "Alles, was wir wieder herstellen konnten, wird voraussichtlich auch erhalten bleiben", sagt Adrian Dragu (49), Direktor für Plastische und Handchirurgie. "Zu welchen Ausfällen es kommt, kann man jetzt aber noch nicht sagen."

Für den Neuntklässler eine tragische Lehre: "Die Schmerzen sind jetzt meist aushaltbar", sagt er. Manchmal tut es noch doll weh. Fahrradfahren und Schrauben sind jetzt wohl eine Weile nicht mehr möglich. "Ich kann nur sagen, definitiv Pfoten weg von Böllern!"

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Schon bis jetzt war die Operation extrem kompliziert: "Wir mussten Venenteile aus seinem Fußrücken nehmen, um dort Gefäße zu ersetzen", so Chirurg Seyed Arash Alawi. Der Ringfinger des Schülers war jedoch nicht mehr zu retten.

Chirurg Sayed Arash Alawi (l.) stellte die linke Hand des Jungen wieder her.
Chirurg Sayed Arash Alawi (l.) stellte die linke Hand des Jungen wieder her.  © Steffen Füssel
Das LKA demonstrierte am Dienstag die Wirkung verschiedener Böller.
Das LKA demonstrierte am Dienstag die Wirkung verschiedener Böller.  © Steffen Füssel
60 Gramm Blitzknallsatz zerfetzen alles in der näheren Umgebung des Böllers.
60 Gramm Blitzknallsatz zerfetzen alles in der näheren Umgebung des Böllers.  © Steffen Füssel
So sah das Handmodell nach nur 3 Gramm Blitzknallsatz aus.
So sah das Handmodell nach nur 3 Gramm Blitzknallsatz aus.  © Steffen Füssel
Adrian Dragu (49), Direktor für Plastische und Handchirurgie, fordert ein Böllerverbot.
Adrian Dragu (49), Direktor für Plastische und Handchirurgie, fordert ein Böllerverbot.  © Steffen Füssel
So sah die Hand des Schülers nach dem Unfall aus.
So sah die Hand des Schülers nach dem Unfall aus.  © Steffen Füssel

"Pyrotechnik am besten in Deutschland kaufen"

Axel Brehm (49) vom LKA mahnt vor unvorsichtigem Umgang mit Pyrotechnik.
Axel Brehm (49) vom LKA mahnt vor unvorsichtigem Umgang mit Pyrotechnik.  © Steffen Füssel

Plädieren die Mediziner, auch aufgrund der angespannten Lage in den Krankenhäusern, für ein Böllerverbot, mahnen LKA-Ermittler zur sachgerechten Verwendung.

"Man sollte auf die Kennzeichnung achten", sagt Axel Brehm (49) vom LKA. "Die Kategorien F1 und F2 sind in Deutschland erlaubt, ab F3 nur mit Genehmigung. Allerdings ist diese Kategorie in Polen frei verkäuflich."

Außerdem sollte man auf das CE-Kennzeichen achten und sich genau an die Gebrauchsanleitung halten.

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Brehm: "Aber es tauchen immer mehr Fälschungen auf. Daher sollte man Pyrotechnik am besten in Deutschland kaufen. Wenn man sie aus dem Ausland bezieht, dann lieber aus einem richtigen Geschäft."

Klimaschützer fordern Spenden statt Knallerei

Louise Hummel-Schröter (l.) und Ronny Geißler wollen weniger Knallerei zu Silvester.
Louise Hummel-Schröter (l.) und Ronny Geißler wollen weniger Knallerei zu Silvester.  © Steffen Füssel

Nach zwei Jahren Corona-Pause wird ab Donnerstag wieder Feuerwerk für Silvester verkauft. Dresdner Klimaschützer befürchten einen "Böllerkrieg" und fordern ein Umdenken.

Als Initiative "Dresden feiert fair" fordern sie dazu auf, "Geld für gute Zwecke zu spenden, statt mit Böllern in die Luft zu jagen".

Dahinter stehen Louise Hummel-Schröter (Parents For Future Dresden) und Ronny Geißler (Wir lieben Elbe), die sich eine "weitestgehend feuerwerksfreie Feierkultur in Dresden" wünschen. Das Rathaus solle sich deshalb dafür einsetzen, neue Traditionen zu etablieren.

"Traditionen und Bräuche sind für eine Gesellschaft zwar wichtig, wenn sie aber ungerecht, exkludierend, umweltschädlich und gefährlich sind, ist es dringend an der Zeit, sie zu verändern", so Hummel-Schröter.

Titelfoto: Steffen Füssel

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