Zoff um Gedenken: Historiker kritisiert bunten "Splitter" an Opfer-Stele

Dresden - Fast kein Gedenktag ist so umstritten wie der der Bombardierung Dresdens am 13. Februar. Auf dem Heidefriedhof soll seit vergangenem Jahr ein sogenannter Erinnerungs-Splitter in knalligem Orange den "Opfer-Mythos" erklären. Doch seine Platzierung direkt an der Dresdner Stele sorgt für Kritik.

Historiker Dr. Justus Ulbricht (71) hofft, dass die Erinnerungskultur der Stadt weiter ausgebaut wird.
Historiker Dr. Justus Ulbricht (71) hofft, dass die Erinnerungskultur der Stadt weiter ausgebaut wird.  © Thomas Türpe

Statt aufzuklären, "wird die Aufmerksamkeit mit dem Splitter noch extra auf die Dresdner Stele gelenkt", erklärt Historiker Dr. Justus Ulbricht (71). Die Gedenkanlage von 1965 mit Rondell und 14 Stelen stammt aus DDR-Zeiten.

Auf den Stelen stehen Konzentrationslager wie Auschwitz und Dachau, Orte deutscher Bombardierungen und Massaker wie Rotterdam und Oradour - und mittendrin Dresden.

Allgemein fände Ulbricht eine bessere Informationskultur auf dem Friedhof wünschenswert: "Was ist denn eigentlich beispielsweise in Oradour oder Rotterdam passiert? Man könnte QR-Codes an den Stelen anbringen, um das zu erklären." Gerade für jüngere Generationen sei das wichtig.

Mit seiner markanten Farbe springt einem die Dresdner Stele auf dem Heidefriedhof förmlich ins Gesicht.
Mit seiner markanten Farbe springt einem die Dresdner Stele auf dem Heidefriedhof förmlich ins Gesicht.  © Thomas Türpe

Die Stadt liefert immerhin eine Erklärung für die umstrittene Platzierung: Die Anbringung des Splitters soll die damals "zu Recht kritisierte unkommentierte Gleichsetzung der Zerstörung Dresdens mit Orten von Vernichtungslagern und Kriegsverbrechen des Nationalsozialismus, wie sie zur Errichtungszeit 1965 in dieser Anlage vorgenommen wurde, aus heutiger Sicht kontextualisieren".

Titelfoto: Bildmontage: Thomas Türpe

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