Ratten, Schimmel und Brände lassen Mieter verzweifeln: "Wir wohnen in einem Horror-Haus"
Dresden - "Es reicht!" – Die Zeiten, in denen der Plattenbau am Otto-Dix-Ring 64–82 in Strehlen ein behüteter Lebensraum für Familien war, sind vorbei.
Warmes Wasser fällt wochenlang aus, Schimmel prangt an den Wänden, Ratten laufen über den Innenhof, die Eingangstüren stehen offen. Die glücklichen Mieter von damals leben heute im Ghetto. Aus Angst vor Brandanschlägen schützen sie sich inzwischen selbst.
Die Wohnanlage besteht aus einer langen Hausfassade mit zehn Hauseingängen. Fast alle Eingangstüren lassen sich problemlos aufdrücken. Erst vergangenen Sonntag brannte es wieder, diesmal ein Kinderwagen im Haus Nummer 66. Bei Anne Pischke (40) liegen die Nerven blank: "Mein Kind lag oben in der Wohnung und ich sehe die Rauchschwaden. Die Eingangstür war mit weiteren Kinderwägen verbarrikadiert."
Vor den Häusern versammeln sich weitere Mieter. Sie berichten, dass es in den vergangenen fünf Jahren in jedem der zehn Treppenhäuser mindestens einmal gebrannt habe. Teils loderten Wohnungstüren, "weil die Haustüren halt offen stehen".
Auf Nachfrage zählte die Dresdner Feuerwehr 29 Einsätze in diesen fünf Jahren, 2026 bereits acht. Die Polizei registrierte seit Anfang 2024 zehn Brandstiftungen und schwere Brandstiftungen. 14 Menschen aus dem Block mussten wegen Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus.
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Wie geht es mit dem Horror-Haus in Dresden weiter?
Die dreifache Mutter Melanie Rieck (37) ist vor zwölf Jahren eingezogen, war damals glücklich. Für ihre Vier-Raum-Wohnung zahlt sie 1032 Euro. Kürzlich hat sie eigenmächtig Rauchmelder im Haus angebracht. Außerdem stehen in ihrer Wohnung zwei Feuerlöscher und eine Kamera bereit, "aus Angst, es kommt jemand ins Treppenhaus und zündet uns an".
Der Glaube macht sich breit, langjährige Mieter sollen aus den Wohnungen "geekelt" werden: "Das ist hier zum Ghetto verkommen, was wirklich nicht an den Ausländern liegt." Denn die seien erst mal glücklich darüber, in Frieden zu leben, "aber sie wissen doch gar nicht, was ihnen als Mieter zusteht und deshalb macht diese neue Hausverwaltung gar nichts mehr", urteilt Rieck.
Seit rund eineinhalb Jahren seien die Zustände untragbar geworden. Damals habe die Hausverwaltung "Immano" die Wohnanlage übernommen: "Es wird immer schlimmer", poltert Anne Pischke.
Monatelang hatte keiner der anwesenden Mieter Kontakt zur Hausverwaltung herstellen können. Auf TAG24-Anfrage ging es plötzlich ganz schnell: Es seien "kurzfristig verschiedene Sicherungs- und Verbesserungsmaßnahmen veranlasst [worden]", teilte gestern die Hausverwaltung Immano mit. Ziel sei es, "die Wohnsituation Schritt für Schritt weiter zu verbessern, langfristig ein sicheres, ordentliches und attraktives Wohnumfeld zu bieten." Na, dann los ...
Am Ende fehlt das Vertrauen
Ein Kommentar von Jakob Anders
Ein Haus bietet Sicherheit, die eigenen vier Wände sind Schutzraum. Sollte man meinen. Denn im Plattenbau am Otto-Dix-Ring 64–82 in Strehlen ist Sicherheit zu einem Luxus geworden, und für Schutz muss man inzwischen eigenhändig sorgen.
Dabei passierte der Verfall des einstigen Vorzeige-Lebensraums nicht auf einen Schlag, sondern war ein jahrelanger schleichender Prozess. Ein nicht überstrichener Brandschaden hier, eine demolierte Eingangstür dort, überfüllte Mülleimer vor dem Balkon: Es sind die vielen kleinen Zeichen der Vernachlässigung seitens der Hausverwaltung, die bei den Mietern das Gefühl erzeugen, das alles kümmert niemanden mehr.
Hingegen kümmert es den Vermieter schon, wenn die Miete von über 1000 Euro für 74 schimmelnde Quadratmeter nicht pünktlich auf dem Konto landet.
Wenn Menschen in einem Mehrfamilienhaus sich selbst gegen Brandgefahr absichern müssen, ist eine Grenze überschritten. Das Gefühl, dies tun zu müssen, entsteht nämlich nicht allein durch die Brände. Es entsteht durch die Erkenntnis, dass Beschwerden, Hinweise und Forderungen nach Reparaturen oder Sanierungen schlicht ins Leere laufen.
Wer über lange Zeit keine Antwort auf mehrfache Kontaktaufnahme erhält, verliert nicht bloß seine Geduld, sondern das Vertrauen in seinen Lebensraum.
Titelfoto: Ove Landgraf

