Reserve aufgebraucht: An Dresdner Sorgenbrücke werden jetzt die Notstützen aktiviert

Dresden - Die Brücke Budapester Straße ist das neue Sorgenkind Nummer eins. Im Bereich der Pfeilerachse C (über der Ammonstraße) sind innerhalb eines Jahres hundert von tausend Spanndrähten gerissen, die Reserve ist aufgebraucht. Am Donnerstag werden Notstützen aktiviert, die das Bauwerk entlasten sollen. Ansonsten würde es wohl irgendwann - so wie die Carolabrücke - einstürzen.

"Ohne die Erkenntnisse aus den Schallmessungen hätten wir die Brücke inzwischen abreißen müssen", sagt TU-Professor Steffen Marx (57).  © Steffen Füssel

Davon ist TU-Professor Steffen Marx (57) überzeugt: "Wann die Brücke einstürzen würde, kann man nicht vorhersagen. Aber sie würde einstürzen", sagt er.

Die Brücke Budapester Straße enthält den gleichen Hennigsdorfer Spannstahl wie die Carolabrücke. Und wie bei der Carolabrücke ist man vom schlechten Bauzustand überrascht.

Steffen Marx: "Das hat uns schwer schockiert. Ohne die Erkenntnisse aus den Schallmessungen hätten wir die Brücke inzwischen abreißen müssen."

Dresden Lokal Dynamik in der Altmarkt-Galerie: Wann kommt "Victoria's Secret"?

Doch dank des Monitorings (begann im Frühjahr 2025) wisse man, dass sich die Schäden auf den Bereich der Pfeilerachse C konzentrieren. Als Notmaßnahme waren dort zuletzt Hilfsstützen aus Stahl und Beton aufgebaut worden, am Donnerstag werden sie unter Last gestellt.

Statisch entsteht so ein "völlig verändertes Bauwerk", erklärt der Brückenexperte. Von Montag bis Mittwoch folgt ein Belastungstest: In den Nachtstunden befahren vier Schwerlastfahrzeuge mit bis zu 330 Tonnen Gewicht die Brücke - unter ständiger messtechnischer Überwachung. Dafür wird die Brücke zwischen 18 und 6 Uhr voll gesperrt.

Anzeige
So sehen die Stahlstützen aus, die das Bauwerk entlasten sollen.  © Holm Helis
In der Brücke Budapester Straße wurde Hennigsdorfer Spannstahl verbaut - wie in der Carolabrücke.  © Stefan Häßler
Auch an der Elbbrücke in Bad Schandau wurde letztes Jahr ein Belastungstest mit Schwerlastmodulen durchgeführt.  © Steffen Füssel
Der Brückenabschnitt im Bereich der Ammonstraße ist besonders gefährdet.  © Thomas Türpe

Muss die Brücke Budapester Straße komplett gesperrt werden?

Bei einer Pressekonferenz informierten Baubürgermeister Steffen Kühn (46, Grüne, vorn), Amtsleiterin Simone Prüfer (61, M.) und Brückenexperte Steffen Marx (57) über die Zukunft der Brücke.  © Steffen Füssel

Im besten Fall zeigt die Auswertung, dass die Brücke noch einige Jahre lang für eine eingeschränkte Verkehrslast offenbleiben kann. Als ausgeschlossen gilt eine Freigabe für den zweispurigen Verkehr ohne Lkw-Beschränkung.

Worst-Case-Szenario: Das Bauwerk wird endgültig gesperrt, weil weitere, bislang unerkannte Schäden zutage treten.

Rund 5,5 Millionen Euro haben die Notmaßnahmen bislang gekostet. Zugleich verspricht Baubürgermeister Stephan Kühn (46, Grüne), in die Planung für einen Neubau einzusteigen. "Wir hoffen aber, dass wir dafür ausreichend Zeit haben."

Dresden Lokal Alte Schätze für die BUGA gesucht! Dresdner, könnt Ihr helfen?

Denn ein Neubau könnte ähnlich teuer werden wie die neue Carolabrücke (Kostenschätzung: 140 Millionen Euro). Angesichts der desolaten Haushaltslage sollen die Notmaßnahmen vor allem Zeit erkaufen.

Mehr zum Thema Dresden Lokal: