Sie nisten unter der Brücke und sterben auf den Gleisen: Tauben-Ärger am Bahnhof Mitte
Dresden - Lieber ein Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach - denken sich Fahrgäste am Bahnhof Mitte. Eigentlich gibt's hier seit 2018 einen Taubenschlag auf dem nahe gelegenen Poco-Markthallendach. Trotzdem tummeln sich unter der Eisenbahnbrücke weiterhin Tauben, nisten, suchen Futter - und verenden oft elendig auf den Gleisen.
Tierschützerin Marta Broll (43) von der Stadttauben-Initiative hätte eine einfache Lösung: "Solange Öffnungen an der Brückenmauer und Straßenbahn-Leitung sind, werden die Tauben hier bleiben und nicht in den Schlag ziehen. Deshalb müsste man 'vergrämen', also Netze oder Spikes anbringen."
Das Problem: Zuständig sind Deutsche Bahn, Eisenbahnbundesamt sowie Dresdner Verkehrsbetriebe.
Grundsätzlich wären die DVB offen für Baumaßnahmen, erklärt Sprecher Falk Lösch (60): "Im Sinne der Fahrgäste würden wir uns tatsächlich eine Reduzierung des Taubendrecks an der Haltestelle wünschen."
Problem sei vielmehr die Finanzierung: "Dafür sind jedoch - mindestens - eine Straßenbahnsperrung mit umfangreichem und teurem Ersatzverkehr sowie Geld für den Umbau notwendig. Für beides haben wir aktuell keine Mittel."
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Den Fahrgästen liegt auch der Tierschutz am Herzen
Außerdem verweisen die DVB auf die Brücken-Eigentümerin. Der Bahn ist die Kritik jedoch laut TAG24-Anfrage nicht bekannt. Allerdings gibt es "grundsätzlich die Möglichkeit, Öffnungen beispielsweise mit einem Netz zu versperren - dies wird auch am Hauptbahnhof bereits praktiziert".
Das würde Fahrgast Elke Dienewald (70) begrüßen: "Der ganze Dreck - schon die Laternen sehen furchtbar aus. Deshalb stell ich mich auch nicht direkt unter die Brücke."
Fahrgast Christoph Müller (29) geht es dabei weniger um den Dreck: "Ich sehe es als sinnvoll an, dass man versucht, die Tiere in den Taubenschlag zu bekommen. Für mich steht dabei vor allem der Tierschutz im Vordergrund."
Beim Tauben-Thema sind die Meinungen gespalten
Angelika Maier (67) würde sogar härtere Maßnahmen ergreifen: "Abschießen, abschießen, abschießen. Die haben ja auch vor nichts Angst, man kann klatschen, wie man will, die fliegen nicht."
Elke Dylong (70) ist den Vögeln hingegen wohlgesonnen: "Jedes Tier hat Recht auf ein ordentliches Leben. Das bedeutet Taubenschlag und die Eier tauschen, um die Population zu kontrollieren."
Fahrgast Olaf Gawron (63) sieht es ähnlich: "Die haben ihre Daseinsberechtigung. Der Mensch ist vielmehr der störende Faktor."
Titelfoto: Bildmontage: Norbert Neumann / imago images/imagebroker
