Dresden - Einsame Haltestellen, verstopfte Straßen, Kolonnen auf den Radwegen: Der DVB-Warnstreik legt am Montag ganz Dresden lahm. Währenddessen bahnen sich Einheimische, Berufspendler und Touristen trotzdem ihren Weg durch die Stadt – einige vorbereitet und mit einer Alternative in petto.
Um trotz des Streiks rechtzeitig um 8 in Übigau auf der Arbeit zu sein, startete Doriana Hofmann (43) besonders früh. Doch schon am Postplatz hing sie an der leergefegten Haltestelle fest: "Ich dachte, ich bekomme wenigstens ein Taxi. Doch die sind auch alle belegt."
Auch ihre Kinder litten unter dem Streik: "Meine jüngere Tochter konnte ich noch zu Fuß zur Grundschule bringen. Doch meine ältere ist nicht zur Schule gekommen." Sie würde sich wünschen, dass in solchen Situationen trotzdem in unregelmäßigen Abständen eine Straßenbahn fährt. "Das wäre das Mindeste. Immerhin zahlen wir für Monatskarten."
Auch Kristina Meichsner (34) musste sich wegen des Streiks von einer Fahrt im warmen Bus verabschieden und wählte kurzerhand das MobiBike. Mit ihrem Sohn im Schlepptau, ebenfalls mit Rad unterwegs, bahnten sie sich so gemeinsam ihren Weg Richtung Prager Straße.
Sie steht dem Streik neutral gegenüber: "Ich finde es nicht unbedingt schlecht. Ich leihe mir dann eben ausnahmsweise ein Fahrrad aus."
Zwiegespaltene Meinung zu den Streiks
Überrascht von dem lahmgelegten Verkehr war Suada Mazarevic (34) aus Aachen. Beruflich mit dem Flugzeug und zwei großen Koffern angereist, erfuhr sie erst am Bahnhof Neustadt, dass weder Bus noch Bahn sie zu ihrem Ziel "Zwingerteich" bringen können. Ihre Alternativ-Idee, mit "einem Uber zur Unterkunft zu kommen", scheiterte ebenfalls, als sie herausfand, dass es den US-Fahrdienst-Giganten in der Stadt überhaupt nicht gibt ...
Lehrerin Gabriele Schobert (59) von der Dreikönigschule musste kurzerhand eine halbe Stunde Fußweg von der Johannstadt in Kauf nehmen, um rechtzeitig am Bahnhof Neustadt zu sein.
Während sie Streiken grundsätzlich positiv findet, war für sie der Zeitpunkt denkbar ungünstig: "Ausgerechnet am Tag, wo ich mit meiner achten Klasse nach Cottbus fahren möchte." Also hieß es für sie "hoffen, dass all meine Schüler pünktlich am Bahnhof sind. Eine Schülerin ist extra mit dem Taxi aus der Johannstadt gekommen."
Auch ihr Kollege Alexander Fischer (29) steht dem Streik zwiegespalten gegenüber: "Ich bin immer für Streiken. Aber aufgrund der finanziellen Situation in der Stadt erkenne ich den Sinn nicht, wenn sie wirklich mehr Geld fordern. Ich hoffe, dass der Fokus bei den Verhandlungen zumindest stärker auf den Arbeitsbedingungen liegt."