Dresden - Wann kommt die Gedenkstätte für die deportierten Juden am Alten Leipziger Bahnhof? Ein teures Konzept dafür wurde jüngst erarbeitet. Im morgigen Stadtrat ist eine lebhafte Debatte zu erwarten.
Vor Jahren hatte der Rat einstimmig beschlossen, auf dem Alten Leipziger Bahnhof einen Gedenkort einzurichten. Ein Verein erstellte bereits ein aufwendiges Konzept, das der Stadtrat jetzt "zur Kenntnis nehmen" soll.
Es sieht die Gründung einer Stiftung vor - mit 18,5 Vollzeitstellen und 1,4 Millionen Euro Personalkosten jährlich. Damit das Konzept verfeinert werden kann, soll der Stadtrat noch 100.000 Euro für die Vereinsarbeit in 2026 beschließen.
Dabei gehört das Gelände noch gar nicht der Stadt, sondern Globus. Seit Jahren wird - bislang vergeblich - über einen Grundstückstausch verhandelt. Auch deshalb regen sich im Vorfeld kritische Stimmen.
Ohne städtischen Zugriff auf das Grundstück sei es "wenig sinnvoll", an Details eines Gedenkkonzepts weiterzuarbeiten, hieß es etwa von der CDU-Fraktion.
Grundsätzliche Debatte gefordert
Eine grundsätzliche Debatte über den Gedenkort anstoßen will Stadtrat Matteo Böhme (43, Team Zastrow): "Wir sollten erst einmal breit diskutieren, wie wir uns den Gedenkort vorstellen", sagte er. "Könnte sich Dresden den laufenden Betrieb der im Konzept skizzierten Gedenkstätte überhaupt leisten? Wo kommt das Geld her?"
Scharfe Kritik am Zögern der rechten Fraktionen äußerte Stadträtin Anne Herpertz (27, Piraten) von der PVP-Fraktion. Für sie ist die anstehende Entscheidung ein notwendiges Bekenntnis.
"Ich kann nur an die historische Verantwortung aller appellieren: Schluss mit der Verzögerungstaktik. Schluss mit den Nebelkerzen", so Herpertz.
Trotz unterschiedlicher Standpunkte: Womöglich könnte sich der Rat auch auf ein abgespecktes Konzept einigen.