Zu hoher Sanierungsaufwand: AOK will Stammsitz in Dresden verkaufen
Dresden - Paukenschlag bei der Allgemeinen Ortskasse: Die AOK Plus gibt ihren historischen Stammsitz nach über 100 Jahren am Sternplatz auf.
Ihr Verwaltungsrat hatte das bereits im Oktober entschieden, wie AOK-Sprecher Pascal Ziehm auf TAG24-Nachfrage mitteilte. Man wolle einen neuen Verwaltungsstandort im Stadtgebiet entwickeln, ein Umzug stehe frühestens 2027 an.
"Wir stehen in der Verantwortung, sichere, moderne und zukunftsfähige Arbeitsbedingungen zu gewährleisten und wirtschaftlich verantwortungsvoll mit den Beitragsgeldern unserer Versicherten umzugehen", so Ziehm weiter.
Eine notwendige Sanierung des denkmalgeschützten Vorzeigeobjekts "wäre mit sehr hohen Investitionen sowie erheblichen Einschränkungen für die Mitarbeitenden über einen längeren Zeitraum verbunden".
Der Grundstein des eigens für die AOK errichteten Verwaltungsgebäudes wurde am 2. November 1912 im früheren Dorfkern des Stadtteils Poppitz gelegt. Der Stahlbetonbau ist ein herausragendes Beispiel für die Reformarchitektur des frühen 20. Jahrhunderts. Fast 150 Dresdner Baufirmen errichteten das bis zur Turmspitze 37,50 Meter hohe Gebäude in nur 15 Monaten. Damaliger Kostenpunkt: 3,13 Millionen Mark.
Zum Vergleich: Das neue Stadtforum am Ferdinandplatz wurde drei Jahre lang gebaut (und acht geplant) und kostete 132 Millionen Euro.
Objekt soll veräußert werden
In den Bombennächten vom Februar 1945 leicht beschädigt, wurde es von der DDR als Poliklinik entfremdet, bevor es 1992 zurück in AOK-Hände fiel. Diese wollen es nun veräußern.
Das "ist uns nicht leichtgefallen", so Ziehm weiter, "ist aber aus unserer Sicht notwendig und verantwortungsvoll. Wichtig ist: Für unsere Versicherten ändert sich nichts. Die AOK bleibt in Dresden präsent, Leistungen und Service stehen weiterhin in gewohntem Umfang zur Verfügung."
Titelfoto: Montage: Petra Hornig, Ove Landgraf
