Mit Handy am Steuer erwischt oder zu schnell? "Blitzanwalt" sagt Bußgeldern den Kampf an

Dresden - Geblitzt und zugenäht: Wer sich im Straßenverkehr einen Fehltritt erlaubt, landet früher oder später oft bei ihm – Dr. Michael Bürger (55). Der Dresdner Rechtsanwalt hat sich vor vielen Jahren ganz dem Verkehrsrecht verschrieben und wurde in den letzten Monaten vor allem unter seinem Pseudonym "Blitzanwalt" bekannt.

Das Klientel von Dr. Michael Bürger (55) ist genauso vielfältig, wie der Straßenverkehr selbst - vom Familienvater bis hin zum Profi-Trainer.  © Eric Münch

Nach der erweiterten Oberschule in Limbach-Oberfrohna (Zwickau) träumte der heute 55-Jährige eigentlich von einer Karriere in der Medizintechnik. Doch es kam anders. "Das Leben nahm seinen Lauf und so rückte schlussendlich die Justiz in den Vordergrund", erklärt Bürger gegenüber TAG24.

Er paukte, wühlte sich durch zahlreiche Lehrbücher und beendete schließlich vor über zwei Jahrzehnten erfolgreich seine juristische Ausbildung. Doch was reizte ihn schlussendlich daran, sich für eine so spezielle Fachrichtung zu entscheiden?

Für den 55-Jährigen liegt die Antwort auf der Straße: "Die meisten Delikte geschehen im Verkehr – von fahrlässiger Körperverletzung über Fahren ohne Fahrerlaubnis bis hin zur Trunkenheit am Steuer."

Dresden Dresdner Musikfestspiele vor dem Start: Intendant Vogler will positive Botschaft aussenden

Mittlerweile betreut Bürger fast 600 Mandanten - ein Highlight für den Anwalt. "Jeder Mensch kommt mit einer ganz eignen Geschichte zu mir." Besonders häufig würden in diesem Zusammenhang "Geschwindigkeitsüberschreitungen, Rotlichtverstöße und Handyverstöße am Steuer" auf seinem Schreibtisch landen.

Dabei sieht der erfahrener Anwalt die Ursache für solche Fehltritte im Straßenverkehr oft in ganz alltäglichen Situationen. "Wer kennt es nicht? Man fährt auf der Autobahn durch eine Baustelle mit 80 Kilometer die Stunde und plötzlich drängelt ein Lkw von hinten - da kann es schnell zu einer Geschwindigkeitsüberschreitung kommen."

Gleichzeitig warnt er vor den sogenannten "Blitzer-Apps". Wird man bei der Nutzung erwischt, drohen satte 100 Euro Strafe sowie ein Punkt in Flensburg.

Anzeige

100 km/h zu schnell: Bürger verhilft Mann zum Freispruch

Allein in Dresden gibt es rund 24 stationäre Blitzer. Deshalb: Augen auf und Fuß vom Gas. (Symbolfoto)  © 123rf/foottoo

Doch lohnt sich überhaupt der Gang vors Gericht, sobald ein Zettel in den Briefkasten flattert? "Bei geringen Verwarnungen sollten Autofahrer zweimal überlegen, ob sie die Strafe anfechten wollen." Anders sehe das jedoch bei deutlich überschrittener Geschwindigkeit aus.

"Viele Menschen sind heutzutage auf ihr Auto angewiesen – ein Monat Fahrverbot kann enorme Auswirkungen haben." Dennoch macht der Anwalt kein Hehl daraus, dass es auch zahlreiche Fahrer gibt, die bewusst zu schnell unterwegs seien.

Dass jedoch auch Ausnahmen die Regel bestätigen, bewies ein Fall, der selbst dem "Blitzanwalt" noch lange in Erinnerung blieb. "Ein 'Medizinproduktberater' musste kurzfristig eine Enddarmprothese in ein Krankenhaus liefern - für 200 Kilometer blieben ihm jedoch nur 60 Minuten Zeit."

Dresden Magie, Macht und Musik: Polit-Thriller schickt Sänger in die Zauberlehre

Schnurstracks sprang der Mann in seinen Mercedes und raste in Richtung OP-Saal. Während der Fahrt wurde er von der Polizei gelasert. Das Ergebnis: über 100 Kilometer die Stunde zu schnell. Was dem Mann drohte, war nicht nur ein hohes Fahrverbot, sondern der Verlust seines Führerscheins.

Der Fahrer zog vor Gericht. "Als der Mann dem Richter die Prothese zeigte, wurde das Verfahren sofort eingestellt."

Auf Social Media macht der selbsternannte "Blitzanwalt" auf solche Fälle aufmerksam und erklärt, was Betroffene bei Bußgeldbescheiden beachten sollten.

Im Netz stößt er dabei auf gemischte Meinungen - vom positiven Feedback bis hin zu scharfer Kritik. "Viele schreiben unter meinen Beiträgen: 'Einfach mal ordentlich fahren', und oft haben sie damit ja auch recht. Aber es gibt halt eben auch Ausnahmen."

Mehr zum Thema Dresden: