"Niemand weiß, wie es weitergeht": Wirte erzählen ihr Schicksal

Dresden - Gastronomen aus Sachsen machten am Freitag auf dem Dresdner Neumarkt darauf aufmerksam, wie die Corona-Krise ihre Existenz bedroht. Einige von ihnen erzählten TAG24 ihr Schicksal.

von rechts: Lars Rohwer (CDU, MdL) erhielt am Freitag von Kathleen Parma eine Petition von sächsischen Wirten und Gastronomen, Aktion "Leere Stühle" auf dem Neumarkt vor der Dresdner Frauenkirche.
von rechts: Lars Rohwer (CDU, MdL) erhielt am Freitag von Kathleen Parma eine Petition von sächsischen Wirten und Gastronomen, Aktion "Leere Stühle" auf dem Neumarkt vor der Dresdner Frauenkirche.  © Lutz Hentschel

Anja Russig (41), Hotel Kyffhäuser (50 Betten, 300 Gastroplätze) in Großharthau

"Unserem Familienunternehmen sind rund 1000 Gäste pro Woche weggebrochen. Alle Mitarbeiter sind auf Kurzarbeit Null. Und das Schlimmste ist, dass niemand weiß, wie es weitergeht. Ich hoffe, wir müssen niemanden entlassen."

Anja Russig.
Anja Russig.  © Lutz Hentschel

Arturo Gevorgyan (50), Restaurant Classico Italiano, Champagner Lounge, Dresden

"Wir haben am Neumarkt mit hohen Mieten und Null Einnahmen zu kämpfen. Ich muss 32 000 Euro Miete pro Monat zahlen, täglich 6 500 Euro Umsatz erwirtschaften. Ich rechne mit einer halben Million Euro, die ich verliere. Das wirft mich zehn Jahre zurück."

Arturo Gevorgyan.
Arturo Gevorgyan.  © Lutz Hentschel

Ricco Geithner (52), "Dresden 1900", "x-fresh"

"50 Mitarbeiter sind komplett auf Kurzarbeit. Doch statt 60 Prozent sollten sie 90 Prozent bekommen, denn ihnen fehlen Trinkgeld und Zuschläge. To-Go-Angebote nützen uns nichts, weil an unsere Standorte am Neumarkt und in der Altmarkt-Galerie menschenleer sind."

Ricco Geithner.
Ricco Geithner.  © Lutz Hentschel

Ulf Neuhaus (56), Präsident der Deutschen Barkeeper-Union

"Ich habe das Gefühl, wir werden vergessen. Wir haben keine Lobby. Wenn nichts passiert, rechne ich damit, dass die Hälfte der Branche die Krise nicht überlebt."

Ulf Neuhaus.
Ulf Neuhaus.  © Lutz Hentschel

Ferenc (56) und Luisa Weidel (29), "Café Europa", Dresden

"Eigentlich ist unser Cafe rund um die Uhr geöffnet. Nun ist es das erste Mal seit 28 Jahren komplett geschlossen. Zehn Mitarbeiter sind auf Kurzarbeit. Manche von ihnen sitzen in einer 40-Quadratmeter-Wohnung und können nichts tun. Für sie ist es besonders schlimm."

Ferenc und Luisa Weidel.
Ferenc und Luisa Weidel.  © Lutz Hentschel

Thomas Widmann (55), acht Restaurants (u. a. Burgerei, bodega Madrid) in Dresden

"160 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Wer noch in der Probezeit war, dem mussten wir kündigen. In der Sommersaison hätten wir ab Ende Mai eigentlich 220 Mitarbeiter. Doch jetzt haben wir natürlich einen kompletten Einstellungsstopp."

Thomas Widmann.
Thomas Widmann.  © Lutz Hentschel

Kathleen Parma (56) "Ice Rolls"

"Was nützt uns ein Straßenverkauf, wenn die Innenstadt leer ist. Wir haben geschlossen. Hart trifft es Studenten, die als Minijobber ihr Studium oder ihre WG finanzieren müssen. Sie stehen nun mit leeren Händen, ohne einen einzigen Euro da."

Kathleen Parma.
Kathleen Parma.  © Lutz Hentschel

Klubnetz Dresden sammelt sich ein Auffangnetz

Das Klubnetz Dresden vertritt die Interessen von 13 Clubs der Stadt. Felix Buchta (31) vom "objekt klein a" (oka) engagiert sich dort.
Das Klubnetz Dresden vertritt die Interessen von 13 Clubs der Stadt. Felix Buchta (31) vom "objekt klein a" (oka) engagiert sich dort.  © Thomas Kretschel

Mittels Crowdfunding und direkten Spenden haben Dresdner Clubs in der Corona-Krise seit Mitte März rund 54.000 Euro gesammelt. 

Felix Buchta vom Klubnetz Dresden sieht das aber eher als "solidarisches Signal".

"Das Geld ist nicht ausreichend, um den 13 Spielstätten, die sich zum Klubnetz Dresden zusammengeschlossen haben, das Überleben zu sichern", sagt Buchta.

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Und weiter: "Ohne Zuwendungen von Bund, Land und Stadt ist es auf Dauer nicht möglich, Insolvenzen abzuwenden."

Seit Beginn der coronabedingten Schließungen sendet das Klubnetz beinahe täglich Streams von lokalen DJs, die Musik von Punk bis Techno auflegen. 


Ab kommender Woche soll das Kulturangebot noch breiter werden und Konzerte und Tanz umfassen, so Buchta.

Titelfoto: Lutz Hentschel

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