PFAS-Gift im Dresdner Norden wirft unbequeme Fragen auf
Dresden - Verseuchtes Brunnenwasser in der Siedlung um den Ziegeleiteich in Klotzsche, Fischverkaufsverbot im Waldbad Weixdorf: Nachdem die Stadtverwaltung Ende vergangenen Jahres über die Belastung von Gewässern im Norden mit giftigen Ewigkeitschemikalien (PFAS) informierte, konnte noch immer kein Verursacher ermittelt werden. Die behördlichen Untersuchungen dazu laufen noch. Eine Spur führt zur Chip-Industrie, welche die Industriechemikalien nutzt.
Laut Rathaus, das auf eine Anfrage der Grünen reagierte, könne noch nicht gesagt werden, woher die PFAS-Vorkommen in den Gewässern im Dresdner Norden stammen. Die Spurensuche sei schwierig und werde noch einige Zeit dauern.
Zuletzt konzentrierte man sich auch auf den Quellbereich des Seifenbaches nahe dem Flughafen. Mit dem Airport stehe man "im engen Austausch", gehe derzeit von einer "ordnungsgemäßen Verwendung und Entsorgung" von PFAS-haltigen Feuerlöschschäumen aus.
Ewigkeitschemikalien werden auch für die Produktion von Computerchips benötigt. Über das Industrie-Abwasser gelangen die Giftstoffe im Schmutzwasserkanal (dort PFAS nachgewiesen) zur Kläranlage.
Die kann jedoch ohne Aufrüstung (vierte Reinigungsstufe) PFAS nicht herausfiltern, letztlich landen die Chemikalien anteilig auch in der Elbe.
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Gelangt Giftstaub durch Regen schleichend in Böden und Gewässer?
PFAS-Grenzwerte fürs Abwasser gibt es nicht, die Betreiber sind nur verpflichtet, Proben zu nehmen und diese auf PFAS analysieren zu lassen. GlobalFoundries teilt mit, kontaminierte Abwässer separat über Spezialanbieter zu entsorgen.
Auch über die Abluft können die Giftstoffe in die Umwelt gelangen. Aber: "In den derzeit gültigen Vorschriften gibt es keine speziellen Grenzwerte für PFAS. Deshalb werden diese Stoffe auch nicht gesondert überwacht", teilt die zuständige Landesdirektion mit.
Gelangt Giftstaub durch Regen schleichend in Böden und Gewässer? Davor warnt etwa das Umweltbundesamt. "Abluft aus relevanten Bereichen durchläuft eine mehrstufige Abgasreinigung und wir minimieren mögliche Emissionen konsequent", teilt eine Infineon-Sprecherin mit.
Stadträtin Ulrike Caspary (59, Grüne) fordert weitere Aufklärung und sieht die EU in der Pflicht, PFAS streng zu regulieren oder zu verbieten.
Im Zweifel sollte sich die Chip-Industrie um Alternativen bemühen. Die Kosten für aufwendige Abwasserreinigung dürften zudem nicht vom Hersteller auf die Bürger abgewälzt werden.
Titelfoto: Bildmontage: Steffen Füssel (2)

