Pillen wie am Fließband: Apotheker investiert in maschinelle Arznei-Dosierung

Dresden - Montag bis Sonntag, früh, mittags, abends - das Befüllen von Tablettenboxen durch Pflegekräfte kostet nicht nur Zeit, sondern ist auch fehleranfällig. Beides will Apotheker Michael Gäbe (36) von der Striesener "Knut-Apotheke" vermeiden. Er bietet für ambulante wie auch stationäre Pflegeeinrichtungen eine maschinelle Medikamenten-Verblisterung in Reinraum-Standard mit fotooptischer Endkontrolle an.

"Urs" (lat. Bär) hieß früher die Apotheke, die Gäbe 2024 übernahm. Die Kunden wünschten sich als neuen Bärennamen Knut.  © Koch

Gäbe ist in vierter Generation Apotheker und weiß, was seine Kunden benötigen. "Statt manuell Pillen in eine Box zu füllen, sollen Pfleger ihre Zeit lieber dem Patienten widmen", wünscht er sich. 20 Pflegediensten und Pflegeheimen mit rund 1300 Patienten in und um Dresden bietet er seinen Service an.

Für jeden Patienten werden die Pillen für eine Woche im Voraus dosiert. In der Reihenfolge der Einnahme werden die Pillen in abreißbare Segmente eingeschweißt. Auseinander gerollt ergeben sie eine Plastik-Schlange.

Rund 2,1 Millionen Tagesdosen lässt Gäbe pro Jahr einschweißen - den Job übernimmt (noch) ein Unternehmen im Vogtland. Ab Ende 2027 will Gäbe selbst in Striesen Medikamente dosieren und dafür bis zu 150.000 Euro investieren.

Dresden Weniger Helfer, hohe Energiekosten: Sachsens Tafeln gehen die Fahrer aus

Im Sinne der Patienten gut angelegtes Geld: "Unser Pflegedienst spart durch die automatische Dosierung zehn bis 15 Stunden Arbeitszeit pro Woche ein", bestätigen Romy Schneider (42) und Jasmin Schmähl (28) vom ambulanten Pflegedienst advita Dresden.

Anzeige
MItarbeiterin Maria Reisenberg (24) und Apotheker Michael Gäbe (36) rollen die Blisterpackungen aus.  © Fotomontage/Koch
Eine Wochen-Medikamenten-Schlange für jeden Patienten. Der QR-Code je Dosierung ermöglicht die fotooptische Endkontrolle.  © Koch

Rundum-Servie in Sachsen keine Kassenleistung

Die Knut-Apotheke stimmt sich digital mit den Pflegediensten ab, bestellt nach, reagiert auf Rezeptänderungen, überprüft Wechselwirkungen von Medikamenten.

Die bittere Pille: Der Rundum-Service ist in Sachsen keine Kassenleistung.

Mehr zum Thema Dresden: