Bäume statt Autos: Wo Dresden das nächste Verkehrs-Experiment plant
Dresden - Erst gestaltete Baubürgermeister Stephan Kühn (46, Grüne) die Seestraße in der Altstadt zur grünen Fußgängerzone um. Nun plant sein Amt einen ähnlichen Verkehrsversuch im Herzen der Neustadt. Hintergrund ist ein Stadtratsbeschluss von 2019. Bei einer Gesprächsrunde mit Gewerbetreibenden wurden Stadtplaner jetzt konkret.
Sie beabsichtigen einen mehrere Monate andauernden Verkehrsversuch im Sommer 2026. Nach aktuellem Arbeitsstand sollen Bäume gepflanzt, Sitzmöbel, Pflanzkübel und Fahrradständer aufgestellt, Autos teils von der Straße verbannt werden.
Ziel: mehr Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität. "Wir sind noch dabei, das richtige Maß an Einschränkung zu finden", erklärte Verkehrsplaner André Zschoge (44).
Möglichst unattraktiv für Autofahrer soll ein "Kernbereich" zwischen Alaunstraße und Kamenzer Straße werden, mit Ausnahmen für Rettungsdienste und Co. Über die gesamte Straße könnten abschnittweise "Multifunktionsstreifen" neben dem Gehweg eingerichtet werden - dort, wo aktuell noch Autos parken.
Hier sollen die begrünten Aufenthaltsbereiche eingerichtet werden, mit Sitzflächen aus Holz und Pflanzkübeln. Allein für Baumpflanzungen auf der "Louise" sei der Wegfall von rund 20 Parkplätzen wahrscheinlich, heißt es aus dem Rathaus.
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Meinungen zu dem Thema sind gespalten
Bei Anwohnern stoßen die Pläne mitunter auf Skepsis. "Die Parkplatzsituation ist jetzt schon sehr angespannt. Ich kann mir persönlich nicht vorstellen, mich zur Erholung auf die Louisenstraße zu setzen. Da gehe ich lieber in den Alaunpark", sagt etwa Norman Härtel (37).
Andere befürchten Vandalismus, noch mehr Müll als bislang. "Ich finde verkehrsberuhigte Bereiche in Städten generell richtig schön. Man kann woanders parken, mehr Grün tut dem Stadtklima gut", sagt hingegen Bewohner Manuel Ott (27).
Auch Gastwirt Tom Knappe (57) vom "Louisengarten" findet: "Besonders nachts rasen hier Leute mit dem Auto durch. Eine Fußgängerzone könnte die Lebensqualität wirklich verbessern."
Die Planungskosten für den Verkehrsversuch liegen laut Verkehrsplaner Zschoge im hohen fünfstelligen Bereich. Wie teuer die Umsetzung letztlich wird, steht noch nicht fest. Nach der Durchführung nächstes Jahr soll der Versuch ausgewertet werden, anschließend der Stadtrat über die finale Umgestaltung entscheiden.
Kommentar zum Verkehrsversuch Louisenstraße: Hitzige Debatte
Von Karoline Bernhardt
Immer wieder sorgen Verkehrsversuche für Furore in Dresden. Vor allem, wenn sie auf eine Verkehrsberuhigung hinauslaufen, Radlern und Fußgängern mehr Platz zugestehen. Verzweifelten Autofahrern auf Parkplatzsuche widmen Stadtplaner weniger Aufmerksamkeit.
Ist es vor diesem Hintergrund richtig, den Verkehr auf der Louisenstraße einzuschränken, dort weitere Parkplätze einzustampfen? In der Neustadt sind diese schließlich besonders umkämpft, nicht wenige sind aufs Auto angewiesen.
Nächsten Sommer plant das Rathaus im Rahmen eines neuen Verkehrsversuchs genau das: Straßenbäume und Sitzmöbel sollen die karge Louisenstraße aufwerten, weniger Autos sie sicherer machen. Dieses Anliegen beschloss der Stadtrat schon vor Jahren. Jetzt werden die Pläne konkreter.
Ich bin sicher: Je näher der Verkehrsversuch rückt, desto hitziger wird die Debatte darüber. Wahrscheinlich nicht nur unter den betroffenen Anwohnern.
Für alle anderen - Touristen, Radler, Flanierer - ist eine grüne Louisenstraße mit weniger Autos ganz klar ein Gewinn.
Titelfoto: Bildmontage: Eric Münch (2)

